Mönchengladbach: Seelenhilfe am Telefon
VON SINA ZEHRFELD - zuletzt aktualisiert: 13.11.2008Mönchengladbach (RPO). Vier Therapeuten hatten gestern ein offenes Ohr und wichtige Ratschläge für die Anrufer am RP-Expertentelefon. Sie hörten von Sorgen und Fragen, die ihnen in ihrem Berufsalltag immer wieder begegnen.
Begriffserklärung
Psychotherapie Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Heilen der Seele“.
Psychoanalyse Die Psychoanalyse ist eine Form der Psychotherapie. Sie befasst sich stärker mit nicht bewussten seelischen Vorgängen.
Von Burnout-Syndrom über Panik-attacken bis zu verzweifelten Beziehungen: Die Anrufer beim RP-Expertentelefon waren mit ihren Problemen beispielhaft für die Patienten, die Fachleute täglich erleben. Einige Fragen hörten – und hören – sie immer wieder.
Wie finde ich einen Therapeuten? Der Rat der Experten: Möglichst viele anrufen und Geduld haben. Listen mit allen zugelassenen Therapeuten gibt es bei niedergelassenen Ärzten und den Krankenkassen. Patienten sollten nicht zu sehr nach bestimmten Spezialisierungen suchen: „Der gute Therapeut ist der passende Therapeut“, sagte Psychoanalytiker Andreas Bachhofen, „die Chemie muss stimmen.“ Anzuraten sind Probesitzungen – die Krankenkassen zahlen fünf.
Brauche ich überhaupt Hilfe? Scheu, sich Fremden zu öffnen, falsche Scham, in seelischer Not zu sein, Angst, nicht verstanden zu werden: Solche Zweifel, ob eine Therapie der richtige Schritt wäre, sind normal. Selbst dann, wenn ein Mensch sehr unter seinen Problemen leidet. „Man spürt eine große Unsicherheit“, weiß Dr. Ralf Giesen, Facharzt für Psychiatrie und psychotherapie. „Es sind häufig sehr enttäuschte Menschen, die sich fragen, ob das überhaupt helfen kann. Es gibt eine Studie, nach der Menschen mit Angststörungen im Schnitt sieben Jahre brauchen, bis sie zu einem Therapeuten kommen.“
Wie bringe ich einen Angehörigen zur Therapie? „Man kann Psychotherapie nur mit dem Menschen machen, nicht gegen ihn“, formulierte Andreas Bachhofen: Man kann niemanden zwingen. Allerdings kann sich jeder selbst Hilfe suchen, wenn er unter den Problemen eines Angehörigen leidet. Gerade bei Paarproblemen bringt das häufig auch den anderen zum Handeln, weiß Verhaltenstherapeutin Tatjana Beckmann: „Wenn einer sich verändert, kann das System nicht so weiterlaufen wie bisher.“
Magersucht – was können Eltern tun? „Ich rate Eltern, mit einem Arzt zu sprechen – vielleicht erstmal ohne das Kind“, sagte die Kindertherapeutin Anette Düren. Ziel ist es, „einen Teil der Kontroll-Aufgaben abzugeben“: Der Mediziner kann mit einem Jugendlichen sein Essverhalten besprechen, klären, ab wann er in eine Klinik muss. „So können sich Eltern von dem Machtkampf entlasten, der sonst ums Essen entsteht.“
Wie viel Schuld trägt das moderne Leben? Psychische Probleme sind individuell. Aber jede Gesellschaft hat „ihre“ Krankheiten, meint Tatjana Beckmann. So könnten etwa Angsterkrankungen und Depressionen auch mit „höheren Anforderungen an Mobilität“ zusammenhängen: „Von Menschen wird erwartet, häufiger die Umgebung zu wechseln.“ Das könne überfordern.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






