Mönchengladbach: Sexwillige Hausfrauen nur Phantasiegebilde
VON INGRID KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 21.06.2010 - 17:01Mönchengladbach (RPO). Im Betrugsprozess vor der Ersten Strafkammer sagten am Montag frühere Mitarbeiterinnen im Callcenter des Angeklagten aus. Auf der Anklagebank sitzt der Ex-Chef einer „Seitensprungagentur.
Den Mönchengladbacher (44) beschuldigt der Staatsanwalt des gewerbsmäßigen Betruges in 101 Fällen. Im Callcenter des Angeklagten nahmen geringfügig beschäftigte Mitarbeiterinnen die Anrufe von Männern entgegen, die sich für die Angebote der Agentur intessierten.
Die Männer waren den Zeitungsinseraten des Agenturschefs gefolgt, die mit folgenden Texten lockten: „Wir sind sexbegeisterte Hausfrauen und suchen geile Kerle - für Sexabenteuer - ohne finanzielle Interessen“.
Die früheren Mitarbeiterinnen des Callcenters erinnerten sich, wie sie in Schicharbeit die Daten der Anrufer, deren sexuelle Vorlieben und ihren Frauentyps am Telefon entgegennahmen. Die Kunden forderten Frauen aus ihrer Umgebung und nannten die dazugehörige Postleitzahl. Aus Computerlisten entnahmen die Mitarbeiterinnen die Beschreibungen der an Sex interessierten Damen. „Zuerst sollten wir den Männern eine 18-Jährige anbieten“, erinnerte sich gestern eine Zeugin im Gerichtssaal.
In ersten Aussagen bei der Polizei hatten die Ex-Mitarbeiterinnen zugegeben, die Beschreibungen ausgeschmückt zu haben. Die Anrufer sollten auf alle Fälle als Kunden gewonnen werden und die Vermittlungsgebühr zahlen. „Reichte das Ausschmücken nicht aus, habe ich eine nicht existierende Frau erfunden“, gab eine Zeugin zu.
Mit dem sinngemäßen Text: „Kontakt wünscht eine schwarzhaaarige Frau mit dunklen Augen, vollbusig, supergeil, steht auf Strapse“, hatte offenbar eine frühere Kollegin großen Erfolg. Für solche „Erfolge“ gab es vom Angeklagten einen Bonus. Hatten die Männer die Gebühr gezahlt, wurden sie an die Vermittlungsstelle verwiesen. Dort sollten sie die Handynummer der Frauen erhalten.
Die Staatsanwaltschaft ist allerdings überzeugt, dass der Agentur gar nicht genügend „sexwillige Frauen“ zur Verfügung standen. Als Beispiel wurden die polizeilichen Anzeigen von 100 enttäuschten Kunden genannt, Frühere Mitarbeiterinnen des Callcenters schlossen sich am Montag teilweise der Ansicht des Anklagevertreters an. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Männer nur abgezockt wurden", war eine der Ex-Mitarbeiterinnen überzeugt.
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