Mönchengladbach: Shoppen bald bis Mitternacht?
VON SEBASTIAN RADERMACHER - zuletzt aktualisiert: 13.10.2009Mönchengladbach (RPO). Immer mehr Supermärkte sind auch spät abends noch geöffnet. Im Rewe-Markt an der Sittardstraße wird 15 Prozent des Umsatzes zwischen 20 und 22 Uhr erzielt. Für Kritiker ist klar: So werden viele kleine Geschäfte nicht überleben.
Als das Ladenschlussgesetz im November 2006 kippte, reagierten viele Einzelhändler sofort. Auch für Dirk Heynckes, selbstständiger Inhaber des Rewe-Marktes an der Sittardstraße, stand fest: Die Öffnungszeiten werden verlängert. Seitdem können Kunden zwischen 7 und 22 Uhr bei ihm einkaufen. "Die längeren Öffnungszeiten lohnen sich definitiv", sagt Heynckes.
Der Beginn war etwas schwierig, viele Kunden mussten sich an die Einkaufsmöglichkeit am späten Abend gewöhnen. "Mittlerweile läuft es wirklich gut", berichtet Heynckes. "Wir erzielen rund 15 Prozent des Tagesumsatzes in der Zeit zwischen 20 und 22 Uhr." Das Einkaufsverhalten der Kunden habe sich in der letzten Zeit geändert. Seit den längeren Öffnungszeiten verteilt sich die Kundschaft mehr über den ganzen Tag.
Arbeiten im Schichtsystem
Um das Projekt "Längere Öffnungszeiten" zu realisieren, musste Heynckes allerdings die Arbeitszeiten des Personals umstellen. Statt eines Zwei-Schicht-Systems sind die Mitarbeiter mittlerweile in vier Schichten tätig. Zudem wurde eine Teilzeitkraft neu eingestellt. "Sie ist abends von 19 bis 22 Uhr im Laden", so Heynckes. Kombiniert mit dem Stammpersonal und dem "Einräum-Team" ist die Arbeit zu schaffen.
"Die Tage, an denen festangestellte Mitarbeiter bis 22 Uhr arbeiten müssen, werden gerecht verteilt", versichert der Inhaber und fügt an: "Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung, die Öffnungszeiten auszudehnen. Es wird auch kein Zurück mehr geben."
Auch andere Geschäfte in Mönchengladbach haben nachgezogen. So kann in allen Rewe-Filialen, in allen Real-Häusern und – seit dem 1. Oktober – auch bei Kaiser's von Montag bis Samstag bis 22 Uhr eingekauft werden. Doch nicht alle stehen den längeren Öffnungszeiten positiv gegenüber. "Das ist ein reiner Verdrängungswettbewerb – auf Dauer können kleine Geschäfte nicht überleben", sagt Folkert Küpers, Gewerkschaftssekretär im Fachbereich Handel bei Verdi in NRW. Ein selbstständiger Händler könne bei diesem Prozess nur verlieren, auch für den Verbraucher habe es "auf Dauer keinen Vorteil".
Die Umsätze im Einzelhandel stagnieren laut Küpers seit Jahren. "Die Leute kaufen nicht mehr ein als sonst, sie kaufen anders ein." Zudem sind die späten Arbeitszeiten für die Mitarbeiter eine "Katastrophe", so Küpers. Dem widerspricht Rewe-Pressereferentin Anja Delang vehement: "Es gibt bei uns sogar viele Mütter, die gerne einen Spätdienst bis 22 Uhr übernehmen wollen, damit sie sich tagsüber um ihr Kind kümmern können." Am Ende orientieren sich die Öffnungszeiten an den Wünschen der Kunden, "und da ist in Mönchengladbach eindeutig Bedarf", sagt Delang. Gestoppt ist der Trend wohl noch lange nicht. Viele Geschäfte überlegen schon, die Öffnungszeiten weiter zu verlängern. Nicht ausgeschlossen, dass bald nach Mitternacht der Wocheneinkauf erledigt werden kann.
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