Mönchengladbach: Sind Holzhäuser unerwünscht?
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 20.04.2010 - 19:00Mönchengladbach (RPO). Zwölf Edelhäuser in einem Park: Die will der Aachener Architekt Andreas Dilthey auf einem Gelände in Rheydt bauen, das seiner Familie gehört. Doch es gibt Widerstände. Er fühlt sich als Opfer bürokratischer Entscheidungen und will das ökologische Projekt unter Umständen aufgeben.
Andreas Dilthey ist kurz davor, die Brocken hinzuschmeißen. Er ist ein Nachfahre der ehemaligen Fabrikantenfamilie Dilthey und wollte auf einem 11 200 Quadratmeter großen Baugebiet zwischen Maria-Kasper-Straße, Gotzweg und Bahnlinie einen Traum verwirklichen: Zwölf Holzhäuser will er so geschickt in das parkähnliche Grundstück integrieren, dass die Kronen der mächtigen alten Bäume eine würdige Kulisse bilden. Über einen Rundweg können die Bewohner über das Gelände wandeln und sich auf einem Platz inmitten der Anlage treffen. Die Pläne hatten die politischen Gremien passiert – doch jetzt stockt das Vorhaben. "Offenbar hat die Stadt kein Interesse an diesem Wohnprojekt. Denn mir werden nur Knüppel zwischen die Beine geworfen", sagt er. Den eingeplanten Startschuss für das Vorhaben am 1. Mai hat Dilthey vorerst verschoben.
Um einen Platz
Grundstücksgrößen Sie liegen zwischen 670 und knapp unter 1100 Quadratmetern.
Anordnung Sechs Häuser will Dilthey um einen Platz anordnen. Diese Häuser stehen einander gegenüber.
Zufahrt Sie soll, so Dilthey, nach Meinung der Verwaltung sechs Meter breit sein. Das lehnt er ab.
Neue Bäume gepflanzt
Das parkähnliche Grundstück an der Maria-Kasper-Straße gehörte eines Diltheys Onkel Horst. Heute wirkt es etwas verwildert, obwohl der in Aachen beheimatete Architekt bereits viel getan hat: Ein Landschaftsarchitekt hat die Bäume ausgesucht, die erhalten bleiben sollen. 50 Taxusbäume sind neu gepflanzt und kennzeichnen den geplanten Rundweg. Derzeit lässt Dilthey, der ein Atelier für Baukunst und Ökologie betreibt, das ehemalige Wohnhaus herrichten, in dem Bauinteressenten alles über das Projekt und ökologisches Bauen erfahren sollen.
Der Architekt lebt in Aachen selbst in einem Holzhaus, verfolgt eine entsprechende Philosophie und will die Idee in seine Heimatstadt tragen. "In Düsseldorf und in Aachen gibt es ganze Holzhaus-Siedlungen. Ich hoffe, dass man auch hier Anhänger für diese Art des Wohnens finden kann", sagt er. Doch er sieht sich inzwischen als Opfer von aus seiner Sicht bürokratischen Verordnungen. Er will ein Haus in nordöstlichen Bereich des Geländes, das die städtischen Planer ihm verweigern. Er will die Einfahrt in den Park leicht verschieben, und bekommt kein "Okay" dafür. Es gibt Ärger um den Standort von Pkw-Stellflächen für die Bewohner. Und wo er gerne mehrere Bäume für einen Mini-Wald pflanzen will, plant die Stadt mit einem Riesengrundstück für einen Häuslebauer. "Wer kauft denn ein fast 1700 Quadratmeter großes Grundstück. Schließlich liegt der Grundstückspreis bei rund 250 Euro pro Quadratmeter", sagt Dilthey.
Der größte Konfliktherd zwischen ihm und der Stadt: Er will das gesamte Projekt in zwei Bauabschnitte aufteilen und zunächst nur die geplanten fünf Holzhäuser am Gotzweg und an der Maria-Kasper-Straße vermarkten. Er wolle auf diese Weise testen, ob Holzhäuser ohne Keller in Mönchengladbach Abnehmer finden, so Dilthey. Doch diese Aufteilung in zwei Bauabschnitte mache die Stadt nicht mit: "Ich soll einen Durchführungsplan unterschreiben, 20 000 Euro Planungskosten für die Straße ins Gelände bezahlen und eine Bürgschaft über 200 000 Euro hinterlegen. Das kann und will ich nicht. Dann muss ich von diesem Projekt Abstand nehmen."
Ein Hochhaus?
Noch hat er den Startschuss erst einmal nur auf Ende Mai verschoben: "Ich hoffe ja noch, dass wir uns einigen." Wenn nicht, werde das Grundstück anders vermarktet: Immerhin gibt es Baurecht für ein Hochhaus – das aber hier niemand mehr will.
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