Mönchengladbach: Skandal im Altenheim
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 23.06.2010Mönchengladbach (RPO). Inzwischen ist sogar der Bischof informiert. Seit etwa einem Jahr gibt es Ärger im Giesenkirchener Altenheim. Die Vorwürfe: Die Bewohner werden vernachlässigt, die komplette Leitung des Hauses ist seit Monaten krank.
Die Vorwürfe wiegen schwer. Im Giesenkirchener Caritas-Altenheim sollen katastrophale Missstände herrschen. Angehörige und niedergelassene Ärzte, die die Bewohner der Einrichtung betreuen, berichten gar von lebensbedrohlichen Pflegefehlern.
Medikamente sollen vertauscht worden sein, der durchgelegene Rücken eines Bewohners sei zehn Tage lang mit dem gleichen Pflaster abgedeckt gewesen, und die Senioren würden völlig wehr- und hilflos mit ständig wechselndem Personal konfrontiert. "Früher wurde in dieser Einrichtung immer gelacht und gescherzt, jetzt bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich das Haus betrete", sagt einer der Giesenkirchener Ärzte.
Vor einem Jahr zogen die Bewohner des Altenheims an der Konstantinstraße in den Neubau gleich nebenan. "Seitdem geht dort alles drunter und drüber", sagt Werner Wolf, der als Bezirksvorsteher vor mehr als 30 Jahren die Idee hatte, aus dem Krankenhaus ein Altenheim zu machen. "Deshalb liegt mir das Haus natürlich sehr am Herzen – und vor allem die Bewohner."
Zeitgleich mit dem Umzug, so berichten ehemalige Angestellte des Hauses, habe der Caritasverband der Einrichtung ein neues Konzept übergestülpt. Die Bewohner werden seitdem nicht mehr in ihren Wohnbereichen gepflegt, statt dessen habe jeder Pfleger eine Tour durch die Etagen zu absolvieren. "Ein vertrauensvolles Miteinander und kurze Absprachen sind seitdem nicht mehr möglich", so heißt es von Ehemaligen. Die Folge sei schlimmste Akkordarbeit an pflegebedürftigen, oft dementen anbefohlenen Menschen.
Eine weitere Konsequenz ist offenbar ein extremer Krankenstand. "Ich musste erleben, wie innerhalb kürzester Zeit die gesamte Leitung des Hauses und mehrere Mitarbeiter krank gemacht oder zur Kündigung gedrängt wurden", sagt Wolf. Im Pflegedienst übernehmen Zeitarbeitskräfte immer mehr Positionen, berichtet er.
Die Beschwerden von Angehörigen, Angestellten und Ärzten häufen sich. Inzwischen haben sie das Amt für Altenhilfe, den medizinischen Dienst, den Gesundheitsminister des Landes, Karl-Josef Laumann und sogar den Bischof erreicht. "Dafür habe ich gesorgt", sagt Werner Wolf. Schließlich sei die Caritas ein Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche.
Otto Nieswand, Geschäftsführer des Mönchengladbacher Caritasverbandes gibt zu, dass es Unruhe im Altenheim Giesenkirchen gibt. "Offenbar entspricht unsere Arbeit nicht dem, was die Angehörigen von uns erwarten", sagt er. Die ständigen Reibereien hätten die Mitarbeiter auf Dauer gestresst und verunsichert. "Aber wir arbeiten an der Qualitätssicherung und hoffen auf gute Ergebnisse."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







