1987: Skaten unter der Autobahnbrücke
VON CHRISTIAN SPOLDERS - zuletzt aktualisiert: 17.08.20091987 (RPO). Ulf Merkt war zwölf, als er mit dem Skateboarden begann. "Dabei bin ich bis dahin lieber BMX-Rad gefahren", sagt er. Doch als immer mehr ältere Jugendliche auf seiner Schule mit ordentlichen Skateboards auftauchten, hatte "das meine Neugierde geweckt.
Es hieß sogar, dass sie unter der Autobahnbrücke in Wetschewell eine Rampe hatten." Mit einem Freund fuhr er an einem Nachmittag hin – und sah, dass dort tatsächlich ihr Treffpunkt war.
"Die Rampe hatten die Schwarz-Brüder selbst gezimmert", sagt Ulf Merkt, der sich aber erstmal nicht auf die Konstruktion getraut hat. "Wir hatten zu viel Respekt vor den Großen, saßen aber da und haben geguckt, was die so können." Als die Jugendlichen aus Wickrath merkten, dass der Neue einiges drauf hat, wurde er akzeptiert. Und war einer derer, den Erwachsene gar nicht mochten. "Von unseren Stürzen hatte wir überall blaue Flecken, zerrissene Hosen und Löcher in den Schuhen." Das kam nicht gut an.
Doch statt auf Protest gegen das Spießbürgertum legten die Jungs mehr Wert auf ihren Sport. In den Sommerferien 1987 trainierten sie von morgens früh bis abends spät. "Wir waren eine überschaubare Szene, in der jeder mühsam 50 Mark gespart hatte, damit wir die Rampe verbessern konnten", sagt er. Einen Monat später wurde sie von Unbekannten angezündet. "Mit unseren kleineren Rampen, die wir daraufhin gebaut hatten, sind wir durch halb Gladbach gefahren, um einen Platz zum Skaten zu finden." An den meisten Plätzen wurden sie verscheucht. Einen alten Pool, in dem sie ebenfalls fuhren, in der Nähe des Haus Erholung schüttete die Stadt wegen vermeintlicher Lärmbelästigung dreimal zu. "Zweimal hatten wir den ,Ententeich' mit unseren Boards wieder ausgehobenen. Beim dritten Mal war es unmöglich."
Um an neue Achsen und Rollen zu kommen, fuhren die Jungs von Wickrath aus mit dem Zug nach Gladbach. "In der Nähe des Schillerplatzes gab es einen Skateboard-Laden", sagt Ulf Merkt. "In dem haben wir unser ganzes Erspartes gelassen." 20 Jahre später hat er an gleicher Stelle seinen eigenen Shop eröffnet.
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