Mönchengladbach: So geht’s Gladbachs Familien
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 22.05.2008Mönchengladbach (RPO). Zu viele dicke Kinder, zu wenig Betreuungsangebote, ein Mangel an Bildung: Das sind einige Ergebnisse aus dem Familienbericht, der seit gestern vorliegt. Das Problem: Viele der Verbesserungsvorschläge kosten Geld.
Bündnis für Familie
Was ist Familie? Die Macher der Studie bezeichnen als Familie alle Haushalte, in denen Kinder leben, also auch Patchworkfamilien oder allein Erziehende.
Maßnahmen Als erste Initialzündung schlägt die Verwaltung nach dem Bericht die Gründung eines Bündnisses für Familien vor.
Die wirtschaftliche Lage vieler Familien in Mönchengladbach ist sehr angespannt: Die Stadt hat eine hohe Arbeitslosenquote und ein geringes Lohnniveau. Überdurchschnittlich viele Bürger haben Privatinsolvenz anmelden müssen. Auch bei der Zahl der Scheidungen ist Mönchengladbach negativer Spitzenreiter. Für Familien haben diese Faktoren weitreichende Auswirkungen. Je schwieriger die finanzielle Lage ist, umso mehr sind Eltern mit der Erziehung überfordert. Das sind einige Ergebnisse aus dem neuen Familienbericht der Stadtverwaltung.
Bildung Grund vieler Probleme
Vor drei Jahren schon hat der Rat der Stadt beschlossen, einen Familienbericht erstellen zu lassen. Fachleute aus der Stadtverwaltung haben gemeinsam mit Experten von Verbänden, Vereinen und freien Trägern von Einrichtungen auf fast 200 Seiten den Familienbericht zusammengestellt. Eine Kernaussage: Bildung ist der Schlüssel bei vielen Problemen, so Dr. Michael Schmitz, Dezernent für Jugend und Soziales. Wir fassen wichtige Aussagen zusammen:
Familie und Beruf Dringend benötigt werden Ganztagsangebote für Kinder ab drei Monaten und Jugendliche. So gibt es in der Stadt für 13,3 Prozent der unter Dreijährigen Betreuungsplätze, das Land verlangt hingegen eine Versorgungsquote von 17 Prozent. Der Mangel an Betreuungsangeboten erschwert vor allem Müttern die Berufstätigkeit, zunehmend aber auch den Vätern. Müssen diese Familien mit Sozialleistungen unterstützt werden, belastet das wiederum die Kommune. Gibt es keine Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt und mehr Betreuungsangebote, wird sich die Situation von Familien und öffentlicher Kassen dauerhaft verschlechtern, heißt es in dem Bericht. Die Einrichtung von Betreuungsangeboten sollte trotz Schulden der Stadt Priorität haben, zumal Familienfreundlichkeit auch ein wichtiger wirtschaftlicher Standortfaktor ist.
Erziehung und Bildung Es werden mehr qualitativ hochwertige Förderungen für Grundschulkinder gefordert. Gerade Kinder weniger gebildeter Eltern sollen durch niedrigschwellige Angebote an Kultur teilhaben können. Bei den Schulabgängern ist die Zahl der Jugendlichen ohne Abschluss an allgemeinbildenden Schulen in den vergangenen drei Schuljahren von 5,8 Prozent auf 7 Prozent gestiegen. Der Übergang von der Schule in den Beruf muss stärker begleitet werden.
Sport und Freizeit Angebote für die ganze Familie an den Wochenenden, in den Ferien oder in den Abendstunden sind rar: Städtische Sportstätten stehen zu dieser Zeit kaum zur Verfügung. In Sachen Spielplätze hat die Stadt ebenfalls Nachholbedarf: Gerade natürliche Lebensräume fehlen, außerdem eine zentrale Skateranlage.
Familie und Gesundheit Zehn bis elf Prozent aller Kinder zu dick oder krankhaft übergewichtig – damit liegt die Stadt auf hohem Niveau. Besonders betroffen sind Kinder aus Familien mit niedrigen Bildungsstand oder Migrationshintergrund. Die Macher des Berichts fordern mehr preiswerte Sport- und Bewegungsangebote für Familien und in den Schulen.
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