Mönchengladbach: So jeck is unser Veedel
zuletzt aktualisiert: 24.02.2009Mönchengladbach (RPO). Frierende Pinguine, ausgelassenes Federvieh und jede Menge kleine Hasen, kuschelige Bären und dicke Hummeln bevölkerten gestern die Straßen von Gerkerath, Hardt, Wanlo, Neuwerk und Pesch. Jedes Tierchen hatte sein Pläsierchen. So ist das, wenn die Veedelszöch durch die Dörfer ziehen.
Neuwerk: Ein Obergockel und zwölf jecke Hennen
(web) Wer solche Kollegen hat, der braucht keine . . . Nein, so gemein wollen wir nicht sein. Denn Guido Heß-Prinzen fühlte sich beim Neuwerker Karnevalszug pudelwohl als Hahn im Korb. Der 37-Jährige war Gockel. Nicht irgendeiner, sondern der Obergockel der Stadtsparkassen-Geschäftsstelle Bettrath. Zwölf Hennen gluckten um ihn herum. Dieses "Federvieh" im schneeweißen Zottelkostüm ist im normalen Berufsleben die gesamte Kollegenschaft des Bankers Heß-Prinzen. Und als dieser März vergangenen Jahres Hochzeit feierte, da schenkten ihm die Mitarbeiter den Auftritt beim Karnevalsumzug. Ehefrau Ulrike Prinzen war im Übrigen nicht dabei. Berufsbedingt. Hieß es.
Ja, so sind'se die Neuwerker. Als sich gestern Mittag ihr Zoch in Bewegung setzte, da waren rund 1000 Jecken in 35 Gruppen dabei. Auf sieben Festwagen jubelten Oberkarnevalisten den mehreren tausend Jecken am Zugweg zu. Sechs Musikkapellen sorgten für eine heiße Stimmung an einem nasskalten Rosenmontag. Und während die Hennen um Gockel Heß-Prinzen dank des warmen Kostüms eher schwitzten, mussten andere schon mächtig tanzen und schunkeln und singen, um nicht zu bibbern.
Die Bienchen des Heimatvereins, mal als Maja, mal als Willi, vertrauten da ihrer Ameisen-Armee, die zwar nicht gerade zahlreich, dafür aber umso wuseliger war. Oberinsekt Andrea Lingen gab Ton und Marschrichtung vor. Und direkt hinter ihr hatte Tanja Dohr Mühe, ihren Clan beisammen zu halten. "Wir sind Paradiesvögel", behauptete Freundin Andrea Heitzer und handelte sich den Protest der Jeckengruppe ein. "Crazy birds sind wir", krähte diese – verrückte Vögel, was dem lila-blauen-roten Outfit irgendwie sehr nahe kam. Aber hübsch waren sie. Ehrlich.
Und nicht nur sie. Frösche, Nixen, Bazillen, Musketiere, Raupen – Neuwerk gab sich bunt. Nur Bezirksvorsteher war, politisch korrekt, in erster Linie schwarz. Er war Schornsteinfeger und bekam Verstärkung aus Giesenkirchen. Frank Boss sorgte für Ostblock-Allianz.
Pesch: Frierende Pinguine machten ziemlich viel Krach
(nigo) Selbst den Pinguinen fröstelt es an diesem Nachmittag. Ein paar Grad wärmer – das wäre schon nicht schlecht, finden sie. Doch von ein paar Regentropfen lassen sich die als Pinguine verkleideten Jecken der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) aus Pesch nicht den Spaß verderben: Mit aufgemalten Palmen, Sonnenstrahlen und Blumen in den Gesichtern und Hawaiketten um den Hälsern tanzen und singen sie gegen das schlechte Wetter an. Ausgestattet mit Rasseln und Schellenringen sorgen die Pingunie zudem für viel Krach.
Denn der Veedelszoch in Pesch ist das Highlight für die Jecken aus der KJG. "Das schöne an Karneval ist folgendes: Wir sind alle sehr verschiedene Typen hier, aber an Karneval sind wir alle gleich", sagt Melanie Rieger, die gemeinsam mit Antje Socha das Motto der KJG ausgesucht und die Teilnahme am Zug organisiert hat. "Ein paar Grad wärmer hätten wir es schon gerner" heißt es so auf dem kleinen Ziehwagen der KJG. Viele gebastelte Pinguine zieren den Wagen, gut sichtbar ragt eine Palme empor. "Das Motto entstand in einer lustigen Runde mitten im Sommer im Biergarten", erzählt Rieger und lacht. An diesem Nachmittag am Veedelszug passt es um so besser zum grauen Himmel. Als sich der Zug endlich in Bewegung setzt, watscheln die Pinguine ausgelassen hinter den als Schlümpfen verkleideten Sportlern von TUS Jahn hinterher. "Es geht looos" schallt es über die Straßen. Und natürlich auch "Halt uut".
Einige Fußgruppen hinter der KJG rollt der neue Wagen des Kinderprinzenpaares Yannik II. und Melanie II. durch die Pescher Straßen. Den Wagen hat die Karnevalsgesellschaft "Halt uut" in diesem Jahr neu gestaltet und in eine Bärenhöhle umgewandelt. "Der Bär ist unser Wappentier", sagt Konni Kreuzberg, Vorsitzende der Karnevalsgesellschaft. Deshalb sind die Mitglieder der KG in pelzige und flauschige Kostüme gehüllt. So legen sie ausgelassen den etwa drei Kilometer langen Zugweg zurück.
Gerkerath: Närrisch unterwegs mit Asterix und Obelix
(abu) Um 14 Uhr konnte es Saskia bereits kaum noch erwarten: Aufgeregt trippelte die Achtjährige von einem Fuß auf den anderen, vor lauter Aufregung verrutschte sogar ihr schmucker Cowgirl-Hut ein ums andere Mal und sank ihr in die Stirn. Doch Saskia musste noch etwas Geduld haben: Der Veedelszoch in Gerkerath ließ noch ein wenig auf sich warten. Um 14.20 Uhr war es soweit. In Erwartung des Kamelleregens nahm Saskia den Hut vom Kopf – und nutzte ihn zum Aufsammeln der Leckereien. Nach 20 Minuten war der ganze Spaß vorbei: Der Veedelszoch in Gerkerath gehört zu den kürzeren Zügen der Stadt. Es gilt: Klein, aber oho.
Das zeigten auch die Karnevalisten aus den Honschaften Merreter und Knoor. Sie hatten den Anhänger eines Traktors zum vielleicht berühmtesten gallischen Dorf aller Zeiten umgewandelt: in das Zuhause von Asterix. Auch für dieses gilt schließlich "Klein, aber oho". Statt Wildschweine – das hätte Obelix wohl gern gehabt – gab es aber reichlich Bonbons.
Die Comicwelt hatte gleich mehrere Gruppen beim Veedelszoch inspiriert. Nicht nur Asterix rief den Besuchern sein freudiges "Halt Pohl" entgegen. "Wickie und die starken Kothausener" kamen im von einem historischen Traktor gezogenen Schiff daher. Und auch die liebenswerten Tiere aus dem Kinohit "Madagascar" gaben sich die Ehre. Dazu gab es die Cowboygruppe "Wild West in Dahle", und in Tretwagen rollten "Die wilden Punker" durch Gerkerath. Angeführt wurde der Zoch von einer als Schafherde verkleideten Fußgruppe.
Den Abschluss bildete das Gerkerather Kinderprinzenpaar. Für Prinz Domenik I. und Prinzessin Nathalie I. gehört der Veedelszoch durch Gerkerath zu den Höhepunkten der Session. Für einen Nachmittag hielten sie nicht nur närrische Herrschaft über die Honschaft, sondern auch über das in den Comics ja bekanntlich so unbezwingbare gallische Dorf von Asterix. Deren Zaubertrank erinnerte übrigens ganz gehörig an: Bier.
Hardt: Mit Kind, Kegel und allerlei närrischem Viehzeug unterwegs
(ko) Schon lange bevor sich der Veedelszoch in Hardt in Bewegung setzte, strömten Familien mit Kind und Kegel dem Zentrum entgegen, um nur ja ein gutes Plätzchen am Straßenrand zu ergattern. Immer wieder gingen bange Blicke zum grauen Himmel. Aber zum Glück fielen nur wenige Tropfen. "D'r Zoch kütt", verkündete Heino Lambertz, Vorsitzender der KG "Spönnradsbeen", der zusammen mit der Damenpräsidentin Martina Höfer am Rathaus das Geschehen kommentierte. 50 Fußgruppen und Wagen bildeten den närrischen Lindwurm. "Maar Moot" ertönte der Hardter Schlachtruf. Viele schöne Fußgruppen marschierten vorbei. Und fast alle hatten sie mottogerechte Kostüme. Durch eine vielseitige Wildtiergruppe fiel der Winkelner Freundeskreis ins Auge. Die Webergarde hatte ihre blauen Kittel mit weißen Matrosenhemden vertauscht und fuhr als fesche Matrosen mit Kapitänsmütze auf einem Schiff mit. Aus Plastikmüll hatte die Frauen- und Müttergemeinschaft ihre Kostüme gebastelt. Da kann man auch mit einem Kragen aus Zahnpastatuben Furore machen.
Zum Jubiläum "75 Jahre Bothenbäumchen" beteiligte sich die Siedlung erstmals mit einem Wagen am Zug. Als die Häuser mit viel Muskelkraft gebaut wurden, mussten die Besitzer auch Ziegen, Schweine und Hühner halten. Daran erinnerten sie auf dem Wagen mit einem Hühnerstall und Kindern in gelben Kostümen. Drei Kinderprinzenpaare fuhren mit, aus Gerkerath, Venn und natürlich aus Hardt. "Die Unentschlossenen" machten auf die Wildsauplage im Hardter Wald aufmerksam. Das Borstenvieh hat schon einige Vorgärten in Hardt auf dem Gewissen. Eine fünfköpfige Jury ermittelte die sechs besten Teilnehmergruppen. Den ersten Platz belegten die "Maar Mooties", gefolgt von "75 Jahre Bothenbäumchen", Freundeskreis Nöhlen, "Die Kickerjecken", "Palaverköpp Venn" und "Die Unentschlossenen".
Wanlo: "Yes, we can . . . Karneval!" mit drei Tonnen Kamelle
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