Mönchengladbach: Soldaten kämpfen bei "Nato-Olympia"
VON CHRISTIAN HENSEN - zuletzt aktualisiert: 20.06.2011Mönchengladbach (RP). Der 28. Internationale Militärwettkampf sorgte am Samstag für Völkerverständigung der sportlichen Art: 160 Teilnehmer aus fünf Nationen wetteiferten um den Siegerteller von Thomas de Maizière. Die Sprengung eines Fernmeldeturms sorgte jedoch für erhebliche Verzögerungen.
Leichte Übung für Leutnant Michael Robinson und seinen Teamkollegen Steve Bruckshaw: Gleichmäßig hieven die beiden britischen Soldaten die Trage mit dem Schwerverletzten in die Höhe, manövrieren ihn trotz der Hindernisse schnellen Schrittes ins Ziel. Der "Verletzte" ist hier zwar lediglich eine Holzkiste, doch ertönt diese laut, sobald die Männer die 60 Kilogramm schwere Last zu ruckartig bewegen. Bis zum Zieleinlauf nach 2:58 Minuten bleibt sie stumm. "Eine sehr gute Zeit", sagt Dirk Lammert. Der Oberfeldapotheker leitet die Wettkampfstation "Verletztentransport" auf dem JHQ-Gelände.
160 Teilnehmer an 16 Stationen
28. Militärwettkampf
Veranstalter Freiwillige Mitglieder des Reservistenverbands Niederrhein. Schirmherr ist OB Bude.
Teilnehmer England, Frankreich, Niederlande, Griechenland, Deutschland
Helfer THW Mönchengladbach, Deutsches Rotes Kreuz, HQ-Feuerwehr und zivile Helfer
Aufgaben Krisenbewältigung, Rettung, Sicherheits-Quiz, Nationenerkennung.
Sie ist eine von 16 Stationen, die die Teilnehmer beim 28. Internationalen Mönchengladbacher Militärwettkampf (IMM) passieren müssen. 160 weibliche und männliche Wettkämpfer aus fünf Nationen sind in die Vitusstadt gereist, um Kampf- und vor allem Teamgeist zu beweisen: "Überall werden die Militärs verkleinert, da ist der Zusammenhalt umso wichtiger. Immerhin sind wir ja auch gemeinsam auf Auslandseinsätzen", sagt Robinson. Neben aktiven Soldaten nehmen auch Reservisten, Polizeibeamte und Mitglieder von Hilfs- und Rettungsdiensten an dem 17 Kilometer langen Marschparcours zwischen Rheindahlen und Holt teil.
Wenige Kilometer vom JHQ entfernt wartet das nächste Katastrophenszenario: Am Eichhofweiher drängen Hochwasseropfer auf Rettung. Karl Peters, Oberstleutnant der Reservistenkameradschaft Westmünsterland, und sein Team lassen beim Schlauchboot-Rennen nichts anbrennen. Mit 2:58 Minuten ist ihnen die Bestzeit sicher. "Die Wettkämpfe dienen auch dazu, die Leistungen in der Truppe zu überprüfen und zu verbessern", betont der IMM-Teilnehmer der ersten Stunde.
Nicht um Zeit, sondern um Punkte geht es im Sanitätszelt vom Deutschen Roten Kreuz nah der HQ-Feuerwache. Dort wartet Lisa Dickmanns auf Erste-Hilfe-kundige Soldaten, die ihren erschreckend echt modellierten Knochenbruch notversorgen. "Es ist wirklich lustig zu sehen, wie unterschiedlich die Nationen arbeiten", sagt sie. Gut geschlagen hätten sich hier besonders die Griechen. Die Special-Forces-Reservisten mussten sich eigens bei einem nationalen Vorausscheidungswettkampf für die intern als "Nato-Olympia" gehandelte Veranstaltung qualifizieren.
Wanderpokal bleibt im Land
Der Wanderpokal von Verteidigungsminister Thomas de Maizière bleibt aber in Deutschland – er geht an die Reservisten aus dem Münsterland. Platz drei belegt die Bundespolizei aus Köln. Der IMM-Leiter und Kreisvorsitzende des Reservistenverbands Niederrhein, Oberst Helmut Michelis, zieht ein eindeutiges Resümee: "Ich freue mich, dass das internationale Interesse am IMM nach wie vor so groß ist. Unser Ziel, eine Brücke zwischen den Nationen zu bauen, ist wieder geglückt."
Die Sprengung eines Fernmeldeturms am Rande des Geländes sorgt allerdings für erhebliche Verzögerungen und Einschränkungen des Wettbewerbs. Weil die Sprengung erst im dritten Versuch glückt, muss der Bereich mehrfach überraschend in Minutenschnelle mit einer Kolonne rasch organisierter Privat-Pkw geräumt werden. Erst am späten Abend können die Wettkämpfer und die Organisatoren ihre Rucksäcke und Ausrüstung aus dem abgesperrten Sicherheitsbereich bergen, weil der instabile Turm zu kippen drohte. Die Wertung "Hindernisbahn" wurde zwangsweise abgebrochen, eine weitere Wettkampfaufgabe musste komplett entfallen. Die Teilnehmer, darunter griechische Special Forces aus Florina bei Thessaloniki, nahmen es jedoch mit Humor.
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