Mönchengladbach: Sonne überschattet Feste
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 14.07.2010Mönchengladbach (RPO). Vereine leiden unter der Gluthitze: Weil weniger Menschen ihre Feste besuchen und lieber in die Freibäder flüchten, sinken die Einnahmen. Viele sind aber darauf angewiesen.
Neuwerk/rheydt Jahre lang hatten sie in Neuwerk unter anderem auf diesen Tag hingearbeitet. Doch der Mittelaltermarkt, Teil der Festlichkeiten zur 875-Jahr-Feier, wurde am Wochenende wie so viele andere Veranstaltungen auch ein Opfer der Hitze. Als der Markt um 15 Uhr eröffnete, traute sich kaum jemand hinaus in den Glutofen. Die Wetterstation der NVV ermittelte am Samstag in der Spitze eine Temperatur von 38,7 Grad. Erst am Abend, als die Hitze sich verflüchtigte, wurde es voll. "Die Hitze war sicher ein Umsatzverlust für Händler und Veranstalter", sagt Albert Walbergs, Vorsitzender der Neuwerker Heimatfreunde. Noch ist kein Kassensturz gemacht. Aber dass die Einnahmen deutlich unter den Hoffnungen liegen, ist klar.
Lieber ins Schwimmbad
So wie den Heimatfreunden geht es momentan vielen Veranstaltern von Festen. Bei Temperaturen über 30 Grad kommen wesentlich weniger Gäste. Das Turmfest in Rheydt besuchten an drei Tagen 100 000 statt knapp 150 000 Menschen wie im vergangenen Jahr. Zum NVV-Musiksommer mit Booster kamen am Sonntag 2000 Musikfans statt 3000 wie im vergangenen Jahr. Drückende Hitze mit Temperaturen über 35 Grad sind für Feste fast so schädlich wie ein Gewitter. Veranstaltungsprofi Elmar Eßer von der MGMG weiß: "Man kann davon ausgehen, dass ein Drittel weniger Besucher da ist. Die gehen lieber ins Schwimmbad oder bleiben zu Hause." Die Freibäder meldeten am Wochenende Rekordbesuch.
Doch das stellt kleinere Vereine, die mit einer Sause im Sommer sonst das Geld für ihre Arbeit zusammenbekommen, vor Probleme. Viele Bruderschaften zum Beispiel beginnen ihr Schützenfest mit einer Party am Freitagabend – das hilft, die Kirmes zu finanzieren. Doch wenn Gäste ausbleiben, weil es einfach zu heiß ist, wird auch das schwieriger. Dass der Umsatzverklust in Neuwerk die weiteren Feierlichkeiten beeinträchtig, ist zwar unwahrscheinlich. "Aber auch nur, weil wir gute Sponsoren haben", sagt Albert Walbergs.
Elmar Eßer rät Veranstaltern, die keinen Eintritt nehmen, von Beginn an mit einem Plus zu kalkulieren, also sicher mehr einnehmen als ausgeben. Zum Beispiel über Sponsoren oder Standmieten. Wer sich über Eintritt finanziert, muss einen gewissen Prozentsatz an kalkulierten Zuschauern abziehen und sich so ein Polster schaffen. "Anders geht's nicht", sagt Eßer.
Die Organisatoren des Horst-Festivals, das von Freitag bis Sonntagabend am Platz der Republik über die Bühne geht, sorgen sich nun um den Publikumszuspruch. Das Umsonst & Draußen-Festival, bei dem Blumentopf Headliner sind, finanziert sich zu einem guten Teil über den Getränkeverkauf. Wasserschläuche und bereitgestelltes Trinkwasser sind in der Überlegung. Auf jeden Fall rät Eßer, immer für ausreichend Schatten und Sanitäter zu sorgen.
In Neuwerk haben sie am Samstagabend eine andere spontane Entscheidung getroffen. Statt um 23 Uhr war der Markt erst um Mitternacht beendet. Man wollte eben keinen Besucher nach Hause schicken.
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