Mönchengladbach: Sozialer Brennpunkt
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 19.02.2009Mönchengladbach (RPO). Viele Schulabgänger ohne Abschluss, viele jugendliche Straftäter, viele Trennungskinder, hohe Schulden – Mönchengladbach hat die meisten sozialen Risikofaktoren. Das besagt ein 14-Städtevergleich.
Fast jedes dritte Kind in der Stadt wächst in einer Hartz-IV-Familie auf. Knapp fünf Prozent aller Jugendlichen verlassen die Schule ohne Abschluss. Nahezu zehn Prozent aller 14- bis 21-Jährigen verüben eine Straftat und wird dabei erwischt. In Mönchengladbach gibt es ein hohes Eskalationspotenzial.
Das hat auf jeden Fall ein Kennzahlenvergleich unter 14 Kommunen in Nordrhein-Westfalen ergeben. In der Vitusstadt gibt es demnach so viele Riskofaktoren wie in keiner anderen Kommune. Selbst Ruhrgebietsstädte wie Oberhausen oder Herne stehen im Vergleich besser da.
816 Kinder leben in Heimen
Der Bericht
Die Städte Aachen, Krefeld, Neuss, Castrop-Rauxel, Bonn, Herne, Oberhausen, Mülheim, Bonn, Düren, Lüdenscheid, Remscheid, Solingen und Mönchengladbach wurden in dem Contens-Bericht verglichen.
Im Jugendhilfeausschuss wurde die neue Statistik zu den "Hilfen zur Erziehung" vorgestellt. Wenn Eltern mit ihren Kindern nicht mehr zurecht kommen, wenn sie überfordert sind, ihre Kinder vernachlässigen oder sogar misshandeln, greift das Jugendamt ein. Und das muss es in Mönchengladbach ziemlich oft tun.
Mehr als 2500 Kinder und Jugendliche bekommen Hilfe, 816 mussten sogar stationär untergebracht werden, das heißt sie leben in Heimen oder Wohngemeinschaften. Damit liegt Mönchengladbach an der traurigen Spitze und verzeichnet zusammen mit der Stadt Mülheim auch noch den deutlichsten Anstieg bei den Hilfen zur Erziehung.
Aber woran liegt es, dass die Zahl der überforderten Eltern ständig zunimmt, dass immer mehr Kinder und Jugendliche wegen Vernachlässigung oder Misshandlung aus ihren Familien herausgenommen werden müssen? Die Firma Consens, die für die 14 nordrhein-westfälischen Jugendämter den Vergleichsbericht erarbeitete, nennt mehrere Gründen.
Zum einen liege die beinahe flächendeckende enorme Zunahme der Erziehunshilfen an der erhöhten Sensibilität in der Bevölkerung. Nach den erschreckenden Schlagzeilen über getötete und verhungerte Kinder würden mehr Verdachtsfälle bei den Jugendämtern gemeldet. Zum anderen könnten aber auch gewisse Risikofaktoren einen Rolle spielen. Dazu gehört zum Beispiel Perspektivlosigkeit.
Wer keinen Schulabschluss hat, findet kaum einen Job. Wer keine Stelle hat, dem fehlt Geld. Das erhöhe die Gefahr, dass es in Familien zu Konflikten kommt. Auch Trennung und Scheidung könnten ein Indiz für Problemlagen wie Überforderung sein. In der Studie wurden die Zahlen der jungen Straftäter, jungen Arbeitslosen, Scheidungskinder, Hartz-IV- und Sozialhilfeempfänger sowie Schüler ohne Schulabschluss verglichen.
Und heraus kam: Überall lag Mönchengladbach über dem Durchschnitt. Die Stadt erhielt fünf von fünf möglichen "Risikopunkten". Oberhausen und Herne erhielten drei, alle anderen Städte "nur" zwei Punkte.
Die Stadt ist nun dabei ein Präventionskonzept entwickeln. Doch ob die zusätzlichen Ausgaben angesichts der desolaten Haushaltslage von der Bezirksregierung genehmigt werden, ist noch die Frage.
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