Mönchengladbach: Spannende Erlebnisse verschafft der Rundgang durch die Dauerausstellung in der Vorburg von Schloss Rheydt. Auf rund 500 Quadratm
VON GARNET MANECKE - zuletzt aktualisiert: 23.02.2008Mönchengladbach (RPO). Noch steht die Kabelrolle in der Ecke, liegt der Akku-Schrauber bereit. Die Vitrinen in dem kleinen Raum, der dem Thema „Sportstadt Mönchengladbach“ gewidmet ist, stehen sperrangelweit offen. Einsam hängt ein Rennanzug von Nick Heidfeld in einem der gläsernen Schränke. Einen zweiten ziert ein Rennrad. Morgen werden hier auch Erinnerungsstücke der Borussia und solche zum Thema Hockey zu sehen sein. Die Macher der neuen Dauerausstellung „Flashback – Mönchengladbach hat wieder Geschichte“ im Schloss Rheydt sind auf der Zielgeraden. Morgen ist Eröffnung.
Sichtlich froh und stolz führt Museumsdirektor Dr. Wilhelm Stratmann an Kisten und Kästen vorbei durch die Ausstellung. Seine Begeisterung für die Geschichte von Mönchengladbach sieht man nicht nur dem Mann, sondern auch der Ausstellung an. Kurioses und Bestürzendes haben Stratmann und seine Mitarbeiterin Sonja Nanko hier zusammen getragen. Man fühlt, riecht und schmeckt die Geschichte förmlich.
„Auf den bin ich besonders stolz“, sagt Stratmann und tätschelt dabei freundschaftlich Bismarcks linken Unterarm. Vor einem Monat stand der eiserne Kanzler noch im Rheydter Rathaus. Eisern ist diese Statue durch Nägel, die während des Ersten Weltkriegs von Gladbacher Bürgern in die Holzfigur geschlagen wurden. „Damals bekam man gegen eine Spende ein Set mit Nägeln. Das Geld floss in die Kriegskasse“, erzählt Stratmann. Je nach Umfang der Spende waren auch die Nägel aus unterschiedlich edlem Material. Dazu bekam der Spender eine Plakette. In Schautafeln direkt neben dem Knie des Reichskanzlers sind solche Nagel-Sets zu sehen.
Obwohl die Textilindustrie im Zentrum der Ausstellung steht, haben Stratmann und Nanko auch bedeutende Firmen anderer Branchen in Gladbachs Historie ausgegraben, die weit über die Stadtgrenzen hinaus für Furore sorgten. So erfährt man, dass 1936 die Firma Vorax einen Motor hergestellt hat, mit dem man ganz verschiedene Haushaltsgeräte antreiben konnte. Ob Mixer, Rührer oder Staubsauger: Der Vorax-Motor brachte Anno 1936 Bewegung in die Haushaltshelfer. Und wussten Sie, dass Gladbach einst einen Sportschuhe-Hersteller hatte, der zu seiner Zeit so bedeutsam war wie Puma und Adidas? Seuvenia hieß das Unternehmen. Schwere lederne Fußballschuhe lassen eine Ahnung davon aufkommen, welche Folgen damals ein Foul haben konnte. „Wenn so ein Schuh auf ein Bein trifft, dann kracht’s“, sagte Stratmann.
Im Obergeschoss steht das Modell der Hausweberei noch auf einem Hocker. Wie eine Puppenstube wird es bestückt, um zu zeigen, wie Weber um 1800 wohnten und arbeiteten. Münzwaagen daneben erinnern daran, dass schon vor 200 Jahren die Währungsunion eine gute Idee war. Napoleon hat dies bereits 1804 als Vision formuliert.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






