Mönchengladbach: Stadt lässt ihr jüdisches Mahnmal verkommen
VON MEYEL LÖNING - zuletzt aktualisiert: 08.09.2010Mönchengladbach (RPO). Etwa 100 Denkmäler für die Verstorbenen der Einigungskriege und der Weltkriege gibt es im Stadtgebiet. "Die Heimatvereine pflegen die Denkmäler meistens nur", hatte der Politikwissenschaftler Karl Boland vor einigen Tagen der RP gesagt. Das stimmt leider nicht ganz. Neben dem jüdischen Mahnmal vor der Stadtbibliothek haben sich neue historische Stücke dazugestellt – das Laub des vergangenen Herbstes. "Das ist ein unwürdiger Zustand", sagt Erich Oberem, der Ratsherr der Stadt Mönchengladbach. Wer der Jahreszeiten mächtig ist, weiß: Die letzte Denkmalpflege muss schon einige Monate zurückliegen.
Die Gründe für diesen Missstand liegen sprichwörtlich auf der Straße. "Die Straßenunterhaltung hat einen anderen Stellenwert. Schlaglöcher in den Straßen haben da leider Vorrang", erklärt das Tiefbauamt, das für die Pflege dieser Art zuständig sein sollte – wenn es die Haushaltslage und die damit zusammenhängende Personaldecke zuließe. Immerhin verspricht das Tiefbauamt auf Anfrage der RP eine Besserung des augenblicklichen Zustands des Mahnmals, das nicht nur von Laub, sondern auch von wucherndem Unkraut umgeben ist.
Errichtet wurde das jüdische Mahnmal 1974 vom in Düsseldorf geborenen Bildhauer Ulrich Rückriem. Der Block soll erinnern an die Synagoge der jüdischen Gemeinde in Mönchengladbach, die von 1883 auf der heutigen Wohnfläche Blücherstraße 15 und 17 (direkt gegenüber von der Stadtbibliothek) stand und 1939 abgebrannt wurde. 1933 lebten etwa 1200 jüdische Bürger in Mönchengladbach.
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