Mönchengladbach: Stadt wirbt türkische Firmen
VON GARNET MANECKE - zuletzt aktualisiert: 02.02.2010Mönchengladbach (RPO). Zum sechsten Mal besucht die Wirtschaftsförderung die WIN in Istanbul. Bei der größten Industriemesse im eurasischen Raum möchte sie in diesem Jahr türkische Unternehmen vom Standort Mönchengladbach überzeugen.
1358 Aussteller aus 30 Ländern, 114 000 internationale Fachbesucher aus 70 Ländern, zehn Messehallen mit insgesamt 60 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche, ein gutes Image deutscher Qualitätsarbeit, aufgeschlossene Gesprächspartner, die schnelle Geschäftskontakte ermöglichen und eine aufstrebende Wirtschaft mit guten Absatzmöglichkeiten: Die Argumente für eine Teilnahme an der World of Industry (WIN), der größten Industriemesse im eurasischen Raum, gehen der Wirtschaftsförderung Mönchengladbach (WFMG) so schnell nicht aus. Aber genützt hat es nichts: In diesem Jahr wird kein einziges Gladbacher Unternehmen die Wirtschaftsförderer begleiten, wenn die WIN in Istanbul am Donnerstag ihre Türen öffnet. Vor zwei Jahren drängelten sich noch die Vertreter von zwölf Gladbacher Unternehmen am Gemeinschaftsstand.
"Wir sind mit unserem Engagement trotzdem sehr erfolgreich", ist Rafael Lendzion, WFMG-Projektmanager, überzeugt. "Viele Unternehmen, die uns in der Vergangenheit begleitet haben, sind nun in der Türkei gut aufgestellt und haben zum Teil eigene Niederlassungen dort."
So wie Rhenus Lub. Der Gladbacher Hersteller von Hochleistungsschmierstoffen für die Industrie war vor zwei Jahren dabei. "Das war für uns eine lohnende Messe", sagt Unternehmenssprecher Michael Obst. "Wir konnten die Kontakte in der Türkei ausbauen und haben dabei sehr gute Kontakte zur Automobilindustrie geknüpft." Dennoch ist die Türkei in diesem Jahr kein Thema. "Das ist eine strategische Entscheidung", sagt Obst. Rhenus Lub hat Chile und Brasilien für sich entdeckt. Die Bergbau-Industrie bietet dem Unternehmen einen Wachstumsmarkt, der nun zum Kern der Vertriebsstrategie geworden sei.
Standen für die WFMG bisher die Möglichkeiten des türkischen Marktes für die Gladbacher Unternehmen im Vordergrund, steht in diesem Jahr die Anwerbung türkischer Unternehmen im Focus. Seit drei Jahren ist die Türkisch-Deutsche Industrie- und Handelskammer der strategische Messepartner der WFMG. Und um das zu erreichen, braucht man persönliche Kontakte.
"Fünf türkische Unternehmen haben sich bereits in Mönchengladbach angesiedelt", zeigt Lendzion auf. Einer der ersten war der Möbelgroßhandel Alfemo. 500 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen in der Türkei. Dort macht es zwischen 30 und 35 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Vor zweieinhalb Jahren begann Memduh Özdiler mit sechs Kollegen in Deutschland eine Vertriebseinheit aufzubauen, die den zentraleuropäischen Raum betreut. "Wir wollten nach Deutschland und eine Bekannte hat mir den Kontakt zur WFMG vermittelt", erzählt Özdiler.
Die Unternehmensleitung hat die WIN gezielt besucht, um die Gladbacher Vertreter kennenzulernen. Wegen ihrer Nähe zu Holland und Belgien war die Stadt ideal als Stützpunkt. "Und die Mieten sind bezahlbar", fügt Özdiler an.
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