Mönchengladbach: Standortfaktor Hochschule
VON GARNET MANECKE - zuletzt aktualisiert: 20.10.2007Mönchengladbach (RPO). Die Wirtschaftswissenschaftler Dr. Rüdiger Hamm und Dr. Martin Wenke haben den Einfluss der Hochschule auf die Wirtschaft und ihre Wahrnehmung bei Unternehmen untersucht. Die Ergebnisse zum Teil niederschmetternd.
Was bedeutet eigentlich die Hochschule für die Wirtschaft in Mönchengladbach? Die Professoren Dr. Rüdiger Hamm und Dr. Martin Wenke vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Hochschule Niederrhein haben das bereits vor fünf Jahren untersucht. Das Ergebnis: An jedem der rund 604 Beschäftigten an der Hochschule hängen in der Region 2,4 weitere Arbeitsplätze in anderen Unternehmen. Darüber referierten die beiden Wissenschaftler vor dem Wissenschaftlichen Verein im Haus Erholung.
10 000 Studierende
Doch die Medaille hat zwei Seiten: Zwar wird der Hochschule in Wirtschaft und Politik eine Bedeutung für den Standort zugemessen. Gleichzeitig aber hat sie ein Problem mit ihrer Bekanntheit. Verantwortlich für die wirtschaftliche Bedeutung ist der Nachfrageeffekt, der von der Hochschule ausgeht. Da sind zum einen die rund 10 000 Studierenden, die insgesamt in Gladbach und Krefeld eingeschrieben sind und in der Region Geld ausgeben. Dazu kommen 431 Hochschulmitarbeiter, die hier wohnen. Hamm kam bei seinen Berechnungen auf Konsumausgaben von insgesamt 16,8 Millionen DM. „Das führt zu einer Wertschöpfung von 9,1 Millionen DM“, erklärt der Wissenschaftler.
Während der Nachfrageeffekt in einer griffigen Zahl ausgedrückt werden kann, ist der Angebotseffekt nicht so leicht herauszufinden. Die Hochschule stützt sich dabei auf eine repräsentative Umfrage, die sie bei Unternehmen durchgeführt hat. Die Ergebnisse sind weniger erfreulich. Nur zwei Drittel der befragten Unternehmen kannten die Hochschule. Ihr Einfluss auf Innovationen und Strukturwandel sei von den Unternehmen als nicht bemerkbar eingestuft worden, berichtet Wenke. Der Fachbereich-Dekan ist darüber erkennbar unzufrieden.
Die Hochschule hat sich in der Vergangenheit angestrengt, das Image zu ändern. „Mit der Wirtschaftsförderung haben wir in einem Projekt ein Strukturwandel-Konzept erarbeitet“, erklärt Wenke. Dazu gebe es eine Reihe Veranstaltungen, in denen Unternehmen eingeladen würden, sich über die Arbeit zu informieren. Aber: „Die Unternehmen kommen nicht“, klagt Wenke. Er bedauert, dass der große Wissenspool, den die Hochschule bereit halte, von Stadt und Wirtschaft nicht genutzt würde. „Wir können genauso gute Arbeit leisten wie Beratungsfirmen wie McKinsey“, sagt er selbstbewusst.
Um das zu beweisen, wird die Hochschule nun in eigener Sache aktiv. Mit einer neuen Untersuchung wollen Hamm und Wenke eine Grundlage schaffen, um geeignete Marketingmaßnahmen einzuleiten. Das hätte für alle Vorteile: Die Studenten lernen an der Praxis im eigenen Hause. Den Unternehmen wird bewiesen, dass hochqualifiziertes Personal vor der Haustür zu finden ist. Auf der Suche nach Fachkräften könnte das in Zukunft ein Standortvorteil sein.
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