Puffkohlen: Stolzes Puffkohlen
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 01.12.2008 - 17:57Puffkohlen (RPO). Eine Straße in Giesenkirchen widersetzt sich: Weil sie das Projekt „Giesenkirchen 2015“ nicht wollen, riefen die Anwohner Puffkohlens zum Widerstand auf. Nicht zum ersten Mal in der Geschichte der Straße, in der die DJK/VfL Giesenkirchen ihre Heimat hat.
Es war nur ein Anruf am Donnerstagnachmittag. Und Thomas Eicker sagte nur einem Freund Bescheid, dass man sich am Freitag an der Sportanlage Puffkohlen in Giesenkirchen treffen wolle. In Puffkohlen, nicht viel mehr als eine Straße in Giesenkirchen, verbreitet sich so etwas aber wie ein Lauffeuer. Und so kommen bei einem kleinen Treffen an der Straße schnell mal 40 Leute zusammen.
Man hat im Moment viel zu bereden in Puffkohlen und selten war selbst in dieser Ortschaft der Zusammenhalt unter den Nachbarn so groß wie im Moment. Man stemmt sich vehement gegen das von CDU und FDP geplante Projekt Giesenkirchen 2015, nach dem eine neue Sportanlage an anderem Standort gebaut werden und am Puffkohlen dafür neue Wohnhäuser entstehen sollen.
Nahezu alle Anwohner können den Sportplatz von der Badewanne aus sehen. „Ein sehr schöner Anblick“, findet Thomas Eicker (39), der bereits sein ganzes Leben in Puffkohlen wohnt. Er hätte schon öfter wegziehen können. „Aber ich wollte nie hier weg. Wir haben hier alles“, sagt Eicker, der Mitglied in der Bürgerinitiative ist. Seine Mutter Ursula Eicker betrieb in den 60er Jahren Puffkohlens erste und einzige Milchbar, sein Vater Hermann Eicker führte das Milchgeschäft und lieferte Milch an die Haushalte aus.
Hinter der Fassade der Straße Puffkohlen tut sich aber erst die richtige Pracht dieses Örtchens auf. Winzige, verwinkelte Gassen führen in die zweite Reihe, wo die ältesten Häuser Puffkohlens stehen. Und hinter den zur Front hin eher schmucklosen Häusern tun sich regelrechte Parks auf. Kaum ein Haus hat ein Grundstück mit weniger als tausend Quadratmetern.
Ein Haus weiter – neben der früheren Milchbar – steht die einzige Gaststätte Puffkohlens, das Haus Granderath. Seit drei Generationen ist es im Familienbesitz, und ebenso lang feiern Vereine aus ganz Giesenkirchen, Schützenzüge und natürlich die Fußballer der DJK/VfL Feste in der Gaststätte, die Theo Granderath nach einem Toto-Gewinn Mitte der 50er Jahre eröffnete.
Theo Granderath, das war noch ein Giesenkirchener Original, wie sich Zeitzeugen gerne an ihren Wirt erinnern. „Egal wie voll es war – Theo hat nie Bierdeckel gemacht. Er hatte immer genau im Kopf, wer wie viel zu bezahlen hatte“, erinnert sich Ferdi Theunissen vom Heimatverein Giesenkirchen.
Puffkohlen ist einer der jüngsten Ortsteile Giesenkirchens. Während die Geschichte anderer Honschaften viele Jahrhunderte zurückreicht, wurde der Puffkohlen zum ersten Mal in einem Schriftstück um das Jahr 1860 erwähnt. Auch wenn die ersten Siedlungen vermutlich schon viel früher standen. Vor zwei Jahren fand der Hobby-Archäologe Erich Otten auf Scherben im Boden – vermeintliche Überreste des sagenumwobenen mittelalterlichen Schloss’ Meerkamp – in der Erde von Puttschen, das direkt neben Puffkohlen liegt.
Als sicher gilt, dass die Römer schon da waren. Das erste belegte Haus mit dem Namen „Höfgen“ wird jedoch in einem Kirchenbuch aus dem Jahr 1643 erwähnt. Das Haus wurde bei einem Flieger-Angriff im Zweiten Weltkrieg zerstört. Damals hieß das Gelände jedoch noch Broich oder Bruch, wie alte Karten belegen. Eine karge Sumpflandschaft mit vielen Bäumen, die vor allem diesem einen Zwecke dienen sollten: Den Giesenkirchenern Rohstoff zum Heizen zu geben.
Und daher, das vermutet der Heimat-Historiker und Freizeit-Forscher Heinrich ter Stegen, hat Puffkohlen auch seinen etwas eigenartigen Namen. Ein Köhler, so seine Theorie, habe sich dort niedergelassen, um aus dem Holz hochwertige Kohle herzustellen. Und dazu benutzte er das Verfahren der Verpuffung – der Ursprung des Namens Puffkohlen war geboren. Und auf den waren die Bewohner immer schon stolz, wie ein längst vergangener Streit belegt.
In den 60er Jahren regte sich schon einmal Widerstand der Puffkohlener Anwohner. Der damalige Pfarrer der Gemeinde Meerkamp empfand den Straßennamen als anstößig und wollte ihn ändern lassen in Lindenallee, wegen der hohen Linden, die die Straße vom Sportplatz trennen. Klingt ja auch nicht schlecht. Doch damals schon gingen die Puffkohlener auf die Straße und wehrten sich gegen die Umbenennung. Mit Erfolg: Der Name blieb bis heute.
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