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Mönchengladbach: Streit um das Designer-Pissoir

VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 29.07.2008

Mönchengladbach (RPO). Die Urinale im Rosenmeer sind einem Mund nachempfunden. Das sorgt bei den Gästen für viel Gesprächsstoff – und ruft das Ordnungsamt auf den Plan. Frauen haben sich bei der Gleichstellungsbeauftragten beschwert.

Es ist knallrot. Es sieht aus wie Lippen. Und es ist ein Pissoir. Foto: KN

Es ist knallrot. Es sieht aus wie Lippen. Und es ist ein Pissoir. Kein billiger Trash, sondern ein echtes Designer-Stück. Entworfen hat es die holländische Designerin Meike van Schijndel und es damit zu einiger Berühmtheit gebracht. Denn egal ob in einer exquisiten Flughafen-Lounge auf dem New Yorker Flughafen John F. Kennedy, in einer Wiener Szene-Bar oder in einer holändischen McDonalds-Filiale: Wo immer „Kisses“, so der Name des Urinals, hängt, gibt es Ärger. Meistens von Frauenrechtlerinnen.

Das ist auch im Rosenmeer am Schürenweg so. „Es haben schon ganze Gesellschaften abgesagt – nur wegen der Pissoirs“, sagt Geschäftsführer Ramzi Ben Said. Er hatte schon Besuch vom Ordnungsamt. Alarmiert worden waren die städtischen Mitarbeiter von der Gleichstellungsbeauftragten. Bei ihr hatten sich weibliche Gäste des Cafés beschwert. Ihr Vorwurf: Die Pissoirs seien frauenfeindlich und obszön.

Geschäftsführer Ben Said war nach den Protesten kurz davor, die umstrittenen Designer-Pissoirs abzumontieren. Doch er hat es sich anders überlegt. „Wir haben ein Design-Konzept. Die Toiletten gehören dazu. Sie bleiben.“, sagt er. In der gehobenen Gastronomie seien Toiletten nun einmal kein schnöder Sanitärbereich. Auch die Toilette habe Exklusivität verdient, so der Geschäftsführer. Und vor allem: „Das ist kein Mund, sondern ein Cartoon.“

Das hat Designerin Meike van Schijndel letzte Woche in einer Mail an das Rosenmeer bekräftigt. Es sei ihr darum gegangen, mehr Farbe und Leben ins Badezimmer zu bringen. Die Darstellung sei ein Cartoon und geschlechtslos. Ihr sei bei der Umsetzung nicht einmal der Gedanke gekommen, dass man die Idee so interpretieren könne, wie Kritiker das nun tun. Sie unterschreibt die Mail mit „Meike van Schijndel. Ja! Ich bin eine Frau!“

Die Designerin meint, glücklicherweise kämen Frauen, die sich beleidigt fühlen könnten, gar nicht in die Gefahr, das Urinal zu sehen. Das zumindest ist im Rosenmeer anders. Ramzi Ben Said hat, wann immer die Toiletten unbenutzt sind, in den vergangenen Monaten vielen Frauen die Pissoirs gezeigt. Viele hätten sich nach den Diskussionen selbst ein Bild machen wollen. Die Reaktionen? Von Entsetzen über Gleichgültigkeit bis Begeisterung.

Viele sehen es so gelassen wie Stammgast Michael Schroeren. Natürlich seien die Urinale grenzwertig, findet der CDU-Landtagsabgeordnete. Aber wichtiger sei, dass die Mönchengladbacher ein neues Top-Restaurant hätten, das auch auswärtige Besucher anziehe. „Über so eine Marginalie sollte man sich nicht zu sehr aufregen“, findet Schoeren.

Quelle: RP

 
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