Mönchengladbach: Streit um Friedhöfe
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 08.09.2010Mönchengladbach (RPO). Die Zahl der Bestattungen ist immens zurückgegangen. Das hängt mit den extrem hohen Gebühren zusammen. Pfarrer und Bestatter sprechen von einer dramatischen Situation. Die FWG hält das Problem für hausgemacht.
Gebühren
Flachgrabstelle mit einer Bestattungsmöglichkeit 1620 Euro Wahltiefgrabstelle mit zwei Bestattungsmöglichkeiten 3125 Euro
Urnengrabstätte 1560 Euro
Bestattungsgebühr bei Erdbestattung 775 Euro
Nutzung der Trauerhalle halbe Stunde zwischen 180 und 280 Euro
Für die Pflege von zurückgegebenen Grabstätten pro Jahr zwischen 76 und 123 Euro
Wer 1999 für eine halbe Stunde die Trauerhalle am Hauptfriedhof mietete, zahlte 143 Euro. Inzwischen sind es 280 Euro, also fast genau doppelt so viel. "Eine halbe Stunde ist aber sehr knapp für eine würdevolle Trauerfeier", weiß Bestatter Dieter Röhlen aus jahrzehntelanger Erfahrung. Also werden für viele weitere 280 Euro fällig. "Für mich ist das Abzocke", sagt Röhlen. Zumal es inzwischen auch vorkomme, dass es am ganzen Tag eine einzige Beerdigung auf dem Hauptfriedhof gebe.
Asche verstreuen lassen
1995 wurden auf den städtischen Friedhöfen noch 2683 Tote begraben. 2008 waren es 1659. Dieser Rückgang um fast 40 Prozent hat wenig mit Demographie zu tun, aber viel mit Kosten. "Die Finanzen haben in den vergangenen Jahren dramatische Auswirkungen auf unsere Bestattungskultur gehabt. Ich bin in großer Sorge", sagt der Rheydter Pfarrer Klaus Hurtz. Immer mehr würden sich nicht zuletzt aus Kostengründen anonym bestatten oder ihre Asche verstreuen lassen. "Die Reue ist dann später groß, weil es für die nachfolgenden Generationen keinen Ort des Gedenkens gibt", so Hurtz weiter.
Auch Dieter Röhlen hat in Beratungsgesprächen immer wieder gehört: "Das kann ich mir nicht leisten." Und das kann verstehen, wer sich die Preisentwicklung in Mönchengladbach anschaut. Die Nutzung eines einfachen Flachgrabs kostete noch vor zehn Jahren unter 1000 Euro, heute sind es 1620 Euro. Röhlen bekam immer wieder Einzelfragen seiner Kunden zum tieferen Sinn einzelner Gebühren gestellt. "Und oft konnte ich nur sagen: Logisch ist das nicht." Das sieht Erich Oberem von der FWG genau so. "Das ganze Berechnungssystem ist falsch und widersprüchlich", sagt Oberem, der dazu einen Antrag in der nächsten Ratssitzung am 22. September stellen wird. 1999, als das System umgestellt wurde, habe man Wägungsfaktoren eingeführt, die willkürlich seien. Auf denen baue sich aber die ganze Berechnung auf – auch die Erhöhungen, die es 2004 zunächst moderat und 2007 in drastischem Umfang gab. Oberem hat in akribischer Kleinarbeit die einzelnen Werte verglichen und den zuständigen Fachbereich um Aufklärung gebeten. "Leider konnten die mir ihr eigenes System trotz mehrfacher Nachfrage auch nicht erklären", berichtet Oberem. Die FWG beantragt daher, die Gebührensätze zu überprüfen und Änderungen "aufgrund nachvollziehbarer Berechnungsmethoden" vorzuschlagen.
Neues Friedhofskonzept
Auch die Ampel hat die Friedhofsgebühren im Blick. Sie will die Verwaltung beauftragen, ein neues Friedhofskonzept zu erarbeiten. Denn es gibt einen weiteren Grund für die hohen Gebühren: Die Stadt leistet sich viel zu viel Friedhofsfläche.
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