Mönchengladbach: Stromschlag: Junge im Koma
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 30.04.2008Mönchengladbach (RPO). Nach dem Unglück am Bahnhof Odenkirchen, bei dem ein 13-Jähriger lebensgefährlich verletzt wurde, sucht die Polizei immer noch Zeugen. Auch die fassungslose Mutter des Jungen will den Fall geklärt wissen.
Der gesundheitliche Zustand des 13-Jährigen ist immer noch kritisch. „Wegen der schweren Verletzungen wurde er von den Ärzten in ein künstliches Koma gelegt“, sagte Stefan Beckmann, Sprecher der Bundespolizei, gestern. 60 Prozent der Haut des Jungen sind verbrannt, er hat innere Verletzungen, Organe sind beschädigt. Auch anderthalb Wochen nach dem Unglück ist immer noch nicht sicher, ob der 13-Jährige den Stromschlag überleben wird.
Nach bisherigen Ermittlungen war der Junge am Sonntag, 20. April, gegen 19.30 Uhr auf den Waggon eines stillstehenden Zuges geklettert und dabei der Oberleitung zu nahe gekommen. Der Strom traf ihn mit 15 000 Volt wie ein Blitz. Die Wucht schleuderte den 13-Jährigen fünf Meter tief vom Dach in ein Gebüsch neben den Gleisen, wo etwa 35 Minuten später Spaziergänger auf ihn stießen.
Zeugen gesucht
Bitte melden Die Bundespolizei fragt: Wer hat am Sonntag, 20. April, gegen 19.30 Uhr einen lauten Knall gehört? Wer hat den Jungen oder andere Personen zur Unglückszeit am Bahnhof Odenkirchen gesehen? Wer kann Angaben zum Unglück machen? Kontakt Hinweise werden bei der Bundespolizei unter der Rufnummer 0211 178593-0 entgegengenommen.
Es gab einen lauten Knall
„Die Passanten haben den Jungen zufällig gefunden. Von dem Vorfall selbst haben sie nichts mitbekommen“, erklärte Beckmann. Die Bundespolizei sucht deshalb weitere Zeugen. „Wir hoffen, dass es zumindest Ohrenzeugen gibt. Denn es muss einen lauten Knall gegeben haben, als der Junge vom Strom getroffen wurde“, sagte der Sprecher der Bundespolizei. Dieser Knall sei durch den überspringenden Lichtbogen verursacht worden. „Vielleicht haben Menschen das Geräusch gehört, es aber bisher nicht in Verbindung mit dem Unglück gebracht. Vielleicht haben Zeugen sich auch bisher einfach nicht getraut, sich bei uns zu melden“, vermutet Stefan Beckmann. „Wir wissen bis heute nicht, was genau passiert ist. Das ist ein sehr trauriger Fall.“
Der Güterzug, auf den der Junge geklettert war, hatte auf seiner Fahrt in die Niederlande nur wenige Minuten gehalten. Die Zeit muss der 13-Jährige genutzt haben. Warum er auf den Waggon kletterte, das kann auch seine Mutter sich nicht erklären. Auch sie bittet Zeugen, die nähere Angaben über das Unglück ihres Sohnes machen können, eindringlich, sich bei der Bundespolizei zu melden.
„Seit zehn Jahren leisten wir Präventionsarbeit und warnen in sehr vielen Schulen, wie gefährlich es ist, sich in der Nähe von Oberleitungen aufzuhalten“, sagte Beckmann. Trotzdem komme es immer wieder vor, dass Menschen vom Stromschlag getroffen werden. Dafür müssten sie die Oberleitungen noch nicht einmal berühren. Der Strom könne auch noch auf einer Distanz von 1,5 Metern überspringen.
Der letzte Vorfall liegt erst wenige Wochen zurück. Im März war ein 21-Jähriger in Neuss-Norf aus einen Waggon geklettert. Auch er wurde vom Strom getroffen und dabei tödlich verletzt.
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