Mönchengladbach: Studenten-Obdachlosen-WG
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 13.03.2007Mönchengladbach (RPO). Seit gestern gibt es an der Hochschule ein Zeltlager. Studenten campieren dort, um auf ihre Lage seit Einführung der Studiengebühren aufmerksam zu machen. Eine Wohnung können sich viele nicht mehr leisten.
Heike Mainz (28) hat gerade ihre Wohnung gekündigt. Zu teuer. Die Studiengebühren und -beiträge haben ein Loch von mehr als 650 Euro in ihr Portemonnaie gerissen, da sind 426 Euro für die angemieteten 45 Quadratmeter einfach nicht mehr drin. „Meine Eltern könnten zwar einspringen“, sagt die Sozialmanagement-Studentin, „aber das möchte ich nicht. Sie haben mir schon eine Ausbildung finanziert. Also ziehe ich jetzt wieder in eine WG. Das habe ich schon einmal sieben Jahre gemacht. Eigentlich dachte ich, die Zeit sei vorbei.“ Eine Studentenwohnung wäre schön, weil die nur 189 Euro kostet. Aber davon gebe es einfach zu wenig.
Mitstreiter sind willkommen
Weil es vielen geht wie Heike Mainz vom Asta-Vorstand, wollten die Studenten ein Zeichen setzen. Sonntagnacht schlugen sie Zelte an der Webschulstraße auf und gründeten die „Studenten-Obdachlosen-WG.“ Um kurz nach 6 Uhr war die Nacht vorbei, weil noch die Plakate „Willkommen an der Hochschule der Reichen“ verteilt werden mussten. „Wir hatten Schiss, dass es regnet. Deshalb haben wir das heute Morgen erledigt“, sagt Heike Mainz. Und: „Die erste Nacht war ganz schön kalt.“
Trotzdem wollen noch mehr Studenten mitmachen. „Im Moment haben wir Schlafplätze für 40 Leute“, sagt Patrick Mevissen. Der 21-Jährige ist Sportreferent der Asta und studiert Soziale Arbeit. Die Zelte hat er über seine Schwester organisiert. Die ist Pfadfinder-Vorsitzende und studiert wie Patricks weitere Schwester. „Meine Eltern finanzieren uns das Studium. Aber eine eigene Wohnung ist nicht mehr drin, obwohl ich nebenher arbeiten gehe.“
Doch nicht alle Studenten können sich einen Nebenjob suchen. „Wer einen Master- oder Bachelor-Studiengang eingeschlagen hat, der hat so etwas wie einen Full-Time-Job. Da geht nichts nebenher“, sagt Heike Mainz. Sicher, man könne sich ein Darlehen bei der NRW-Bank über 8000 Euro besorgen, dann hätte sich das Thema Studiengebühr erst einmal erledigt, „aber dann startet man mit einem Haufen Schulden ins erste Berufsjahr“, erklärt Patrick Mevissen. Gestern im Camp sorgte Lehmanns Restaurant für einen Hauch von Luxus. Chefin Katrin Lehmann, Ex-Studentin, ließ Flammkuchen vorbei bringen. „Ich unterstütze die Aktion. Ich weiß, wie schwierig es ist, als Student über die Runden zu kommen. Und das Argument ,Wir können sowieso nichts machen’ lasse ich nicht gelten.“
Wer möchte, kann mitmachen
Mindestens bis Ende der Woche wollen die Studenten die Zelte aufgeschlagen lassen. Wer möchte, kann mitmachen, sagt Mainz. „Daran denken: dicke Socken, Luftmatratze, Schlafsack und alles aus dem Kühlschrank mitbringen.“
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