Mönchengladbach: Studie zeigt Gladbachs Stärken
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 17.04.2009Mönchengladbach (RPO). Das Regionalranking eines Wirtschaftsinstituts macht erneut die immensen wirtschaftlichen Probleme der Stadt deutlich. Doch bei Kaufkraft und Steuereinnahmen liegt Gladbach weit vor anderen. Die Zukunft macht Hoffnung.
Wer will, kann aus dem gestern veröffentlichten Regionalranking der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ein Katastrophenszenario ableiten. Die aufwändige, wissenschaftlich fundierte Studie zeigt: Mönchengladbach belegt Platz 45 unter 54 Kreisen und kreisfreien Städten in Nordrhein-Westfalen.
Die Nachbarn Krefeld und neuerdings auch Aachen haben Mönchengladbach weit abgehängt. Bundesweit reicht es – vor allem dank der noch düstereren Lage in den Ost-Ländern – für Platz 304 von 409.
Geschuldet ist dies: Einer extrem hohen Anzahl an Beziehern von Sozialleistungen (in NRW gibt es nur in Duisburg und Gelsenkirchen mehr Bedürftige), einer dramatischen Verschuldung privater Haushalte (bundesweit Platz 398 von 409), der sehr hohen Zahl an Arbeitslosen (über vier Prozent höher als der Bundesdurchschnitt).
Pro-Kopf-Verschuldung 1607 Euro
All das ist bekannt, in seiner Kombination deprimierend – aber nur die halbe Wahrheit. Denn Mönchengladbach ist nicht nur arm, sondern auch reich. Die Wirtschaftsforscher belegen: In der Stadt gibt es mehr Wohlstand als im Bundesdurchschnitt.
Das liegt an zwei Faktoren: Die Kaufkraft ist hoch. Mit knapp 19 000 Euro liegt Mönchengladbach im NRW-Vergleich auf Platz 27 von 54, bundesweit sogar auf Platz 157 von 409. Und besonders die Steuereinnahmen fließen. Grund-, Gewerbe- und der Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer addiert liegt Mönchengladbach im oberen Drittel: auf Platz 16 in Nordrhein-Westfalen, auf Platz 60 im gesamten Bundesgebiet.
Übrigens: Selbst die knapp 1,2 Milliarden Schulden der Stadt vermögen andere noch zu übertreffen. Mönchengladbachs Pro-Kopf-Verschuldung von 1607 Euro stehen beispielsweise 3090 Euro in Köln und 3641 Euro von Worms gegenüber.
Dass die Stadt attraktive Arbeitgeber hat, zeigt das so genannte Pendlersolo. Es zeigt, dass viele Auswärtige jeden Tag zur Arbeit nach Mönchengladbach fahren. In dieser Kategorie belegt die Stadt landesweit Platz 18 von 54. Es gibt vergleichsweise viele Hochqualifizierte und besonders viele Ingenieure in der Stadt.
Drei Jahre alt ist die erste von derselben Initiative veranlasste Studie. Nicht alle Parameter sind vergleichbar. Bei aller Vorsicht scheint sich dies aus den Daten ablesen zu lassen: Die Schere öffnet sich weiter. Gladbach wird gleichzeitig immer ärmer und reicher. Sowohl Schwächen als auch Stärken werden immer markanter.
Grund zur Hoffnung liefern die Forscher gleich doppelt: Zum einen sehen sie Mönchengladbach von der aktuellen Wirtschaftskrise nicht im besonderen Maße getroffen, während andere Großstädte wie Remscheid dramatische Auswirkungen zu fürchten haben. Zum anderen wird die demografische Entwicklung Mönchengladbach im Vergleich eher stärken als schwächen. Auch hier drohen anderen Städten – zum Beispiel Krefeld – schwerwiegende Probleme.
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