Mönchengladbach: Suche nach den Schlager-Stars
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 18.05.2009Mönchengladbach (RPO). Hektisch klatscht er die Rückseite seiner rechten Hand in die Linke. Uwe Hübner kann es gar nicht oft genug sagen. "Promotion, Promotion, Promotion ist das Allerwichtigste!" Damit meint er keine Doktorarbeit, sondern Werbung.
Und zwar für ein Musikbusiness, das in Deutschland zu den erfolgreichsten gehört, deren Vertreter die meisten Platten verkaufen und deren Übervater Hübner ist: der Schlager. "Mit Schlager kannst du immer was werden", sagt er den 20 mehr oder weniger jungen Schlagerbarden und heizt sie richtig ein für den Auftritt an der Gladbacher Trabrennbahn. Aber nur dann, wenn man Hübner zum Fan hat.
Es ist Freitagabend, und Hübner, der frühere Hitparaden-Moderator, sucht Talente, die er dann – Achtung – promoten will. Im Publikum sitzen gut Gebräunte mit Schnurrbart oder Dauerwelle, in Fan-Shirts von Schlagersängern wie Frank Rebell aus Mönchengladbach. "Für mich der wichtigste Abend meiner Karriere", sagt er, als Hübner seine Ansprache beendet hat.
Es sind solche Abende wie dieser, die den deutschen Schlager ausmachen. Die Pop-Musik bekommt eine Fernsehshow (DSDS), um den neuen Superstar zu finden. Die Rockmusik sucht gar keinen. Die Klassik hat das Feuilleton, die Comedy hat durch Mario Barth Fußballstadien erreicht. Für den Schlager reicht es hingegen nicht einmal mehr zum Eurovision Song Contest, den die Branche einst geschaffen hatte.
Der Schlager muss durch ausverkaufte Provinzbühnen tingeln und Internetradios bedienen, um seine Riesen-Verkaufszahlen zu erarbeiten. Deshalb ist Schlager, die Musik mit dem herzerweichenden Dauergrinsen im Gesicht, harte Arbeit. Eine Arbeit, die Hübner perfekt beherrscht. Promotion, Promotion, Promotion.
Eine Stunde hat die Show Verspätung. Dann singt Matthias Carras die erste Zeile: "Ich bin auch nur ein Mann" – Bumm, und aus. Stromausfall. Kann passieren. Schlager ist Arbeit. Zehn Minuten später: "Ich bin auch nur ein Mann" – Bumm, bumm – aus. Es geht den ganzen Abend über so weiter. Der Gladbacher Luca schafft es später eine Runde weiter.
Aber für Frank Rebell, der Gladbacher Schlagersänger darf mit seinem Titel "Wir waren dabei" die Jury als Letzter überzeugen, für ihn endet der Abend mit einer Enttäuschung: Er ist raus. Keine Promotion. Dabei hatte er doch fest damit gerechnet. Er selbst ist schockiert, seine Fans sind erbost. Aber sie werden ihm weiter ihre Dauerwellen zu Füßen legen.
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