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Mönchengladbach: Tabubruch löst Empörung aus

VON DIRK RICHERDT - zuletzt aktualisiert: 21.04.2008

Mönchengladbach (RPO). Das Projekt mit einem Toten oder Sterbenden, das der Rheydter Künstler Gregor Schneider plant, stößt in seiner Heimatstadt auf entschiedene Ablehnung. Schneider selbst wollte sich bisher dazu nicht näher äußern.

Leonie Hümmer und Dagmar Krienen schauten sich gestern im Museum Abteiberg um, weil sie Noldes „Nadja“ und das Macke-Stillleben sehen wollten. Für Aufregung sorgte aber ein anderer Künstler. „Das ist ja grausam, schrecklich“, meinte Hümmer. „So was sollte man verbieten“, rief ihre Freundin Dagmar Krienen aus.

Verbieten lassen will sie, dass der Rheydter Künstler Gregor Schneider sein Projekt verwirklicht, einen Sterbenden oder Toten in eine künstlerische Aktion einzubeziehen. Der Künstler war bisher nicht bereit, sein Vorhaben zu erläutern. Auf Anfrage sagte er nur: „Es ist keine neue Sache, das Projekt ist bereits öfter beschrieben worden, zum Beispiel in Katalogen zu meinen Arbeiten“, so der 39-Jährige, der soeben von einer Ausstellung im schweizerischen Burgdorf zurückgekehrt ist.

„Die Kunst ist sicher frei“, meinte Oberbürgermeister Norbert Bude, „aber sie kann auch Grenzen überschreiten. In diesem Fall tut sie das aus meiner Sicht, und so kann ich den Plan nicht akzeptieren.“ FWG-Vorsitzender Erich Oberem sieht es ähnlich: „So wie alles hat auch die Kunst ihre Grenzen. Und die liegen da, wo die Menschenwürde beeinträchtigt wird. Da ist für mich Feierabend und aus.“ Außerdem, setzt Oberem hinzu, vermisse er jede ästhetische Begründung für das Vorhaben, einen sterbenden Menschen aus dem Privatbereich an die Öffentlichkeit zu zerren.

„Ich halte so etwas für eine abstruse Idee“, wehrt auch Martin Siebold ab. Der Sprecher der Vereinigten Städtischen Bühnen sieht „das Sterben, den privaten Tod von Menschen“ als einen Bereich an, „wo die Kunst nicht hingehört“. Er vermute, dass es bei dem Projekt vornehmlich darum gehe, „Sensationslust zu befriedigen“, so Siebold.

Weniger meinungsfreudig gab sich Kulturdezernent Dr. Gert Fischer: „Ich weiß noch gar nicht, was sich dahinter verbirgt. Und zu Dingen, die ich nicht oder nicht hinreichend kenne, kann ich mich nicht äußern.“ Kenntnisreicher und differenzierter klingt, was Susanne Titz, die Direktorin des Museums Abteiberg, zu sagen hat. Sie steht mit Gregor Schneider, dem das Museum einen eigenen Künstlerraum gewidmet hat, in regelmäßigem Kontakt, zumal im Sommer das „Kaffeezimmer“ aus Schneiders „Totem Haus u r“ ins Museum Abteiberg einziehen soll.

Titz: „Ich denke, die Überlegungen, die Gregor Schneider jetzt in die Öffentlichkeit bringt, zeigen eine Konsequenz in seinem Werk. Er hat oft extrem erscheinende Verbindungen von Architektur und menschlicher Existenz gesucht, die aber inhaltlich große Relevanz hatten.“ Schneider suche gern „Grenzbereiche“ auf. Details des Vorhabens kenne sie zwar nicht, räumte Titz ein.

Die Museumschefin erinnerte daran, dass der Tod in Schneiders Werk eine große Rolle spiele. So trägt sein immer wieder umgebautes Elternhaus an der Unterheydener Straße 12 in Rheydt den Titel „Totes Haus U R“. Damit gewann der Künstler 2001 als Repräsentant der Bundesrepublik den Goldenen Löwen bei der Biennale Venedig.

Den Tod thematisieren auch Ausstellungen, in denen Schneider sein Alter Ego namens Hannelore Reuen darstellte, etwa im Jahr 2000 in Krefeld. Das Museum Haus Lange dort wäre, wie Schneider einer Kunstzeitschrift in London sagte, auch Wunschort für sein neues Projekt. Doch gestern wurde bekannt, dass der Leiter der Krefelder Kunstmuseen, Martin Hentschel, ein solches Ansinnen ablehnt.

Quelle: RP

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