Mönchengladbach: Tagebau: Bürger sollen weiter Druck ausüben
VON THOMAS GRULKE - zuletzt aktualisiert: 08.10.2011Mönchengladbach (RP). Der Termin war festgemacht, bevor die aktuelle Diskussion richtig hoch kochte. So war die Frage "Wand oder Wall?" in der Mehrzweckhalle Wanlo zwar ebenfalls ein Thema, in erster Linie hatte der Mönchengladbacher Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen die Bürger aber zu einer generellen Informationsveranstaltung zum Braunkohletagebau eingeladen. Unter der Überschrift "Staub, Lärm, Umweltschäden – Die Auswirkungen von Garzweiler II" referierten mit Dirk Jansen und Oliver Krischer zwei Experten, die sich seit Jahrzehnten mit den Problemen des Tagebaus beschäftigen. "Braunkohletagebau ist ein gigantischer Eingriff in die Natur, der in alle Ewigkeit spürbar bleibt und noch Generationen nach uns belasten wird", sagte Jansen.
"Klimakiller Nummer eins"
Der Geschäftsführer des Bund NRW präsentierte viele Zahlen, um die Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit zu verdeutlichen. In Bezug auf die Treibhausgasemission bezeichnete Jansen die Kohlekraftwerke als "Klimakiller Nummer eins, die wenig zukunftsfähig sind und dazu noch im Gegensatz zu den verbindlichen Klimaschutzgesetzen stehen". Zudem sei unbestritten, dass Feinstaub eine tödliche Gefahr darstelle, in Tagebaugebieten Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen sowie Hörschäden vermehrt aufträten. "Auch die erhöhte radioaktive Konzentration ist ernst zu nehmen", sagte Jansen. Im Anschluss referierte Oliver Krischer über das Bundesberggesetz. "Dies ist ein Gesetz, das völlig einseitig auf den Bergbau ausgerichtet ist. Zunächst kommt die Rohstoffversorgung, erst später geht es um die Vorsorge der Gefahren", sagte der bündnisgrüne Bundestagsabgeordnete.
Die Trennung von Grund- und Bergeigentum müsse abgeschafft, zudem eine generelle Beweislastumkehr bei Bergschäden erzielt werden. "Dafür müssen wir aber weiter an einem sehr dicken Brett bohren", sagte Krischer. Gaby Brenner war von den Vorträgen beeindruckt. "Einige Punkte haben mich geschockt. Wir haben auf jeden Fall auch viele Anregungen für unsere weitere Arbeit mitgenommen", sagte die Vorstandsprecherin Bündnis 90/Die Grünen, die zudem die Bürger dazu aufrief, "weiter Druck auf die Kommune sowie die Landesregierung auszuüben". Vor allem die Forderung nach einer Feinstaub-Messstation wurde laut.
Die Besucher waren dankbar für viele neue Informationen, jedoch enttäuscht, dass kein zuständiges Mitglied der Landesregierung anwesend war. So musste mehrmals Stadtdirektor Bernd Kuckels die Rolle der Stadtverwaltung beim Thema Tagebau sowie bei der Diskussion "Wand oder Wall?" verteidigen. Zu diesem Punkt sagte Jansen: "Sie sollten vielmehr fordern, dass der Abstand der Abbruchkante zu Wanlo vergrößert wird." Der Applaus war ihm gewiss.
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