Mönchengladbach: Tante JU fliegt wieder
VON JEAN-CHARLES FAYS - zuletzt aktualisiert: 27.04.2010 - 18:22Mönchengladbach (RPO). Für die JU 52 beginnt am 2. Mai die Mönchengladbacher Flugsaison. Die Rundflüge mit der legendären dreimotorigen Propellermaschine werden in diesem Jahr an sechs Wochenenden angeboten.
In gewisser Weise war es Liebe auf den ersten Blick. Als die JU 52 am Mönchengladbacher Flughafen 1997 eingeweiht wurde, war Bernd Huckenbeck noch Zaungast. Er war umringt von Hunderten Zuschauern und fragte sich: „Was machen die ganzen Menschen hier?“ Als der Produktionsleiter die von drei Propellermotoren betriebene Maschine drei Jahre später für Filmaufnahmen buchte, war er vollends Feuer und Flamme. „Dieser einzigartige Sound der BMW-Motoren, dieser sanfte Start bei 90 km/h nach nur 600 Metern auf der Startbahn, dieses majestätische Schweben und dieser Ausblick durch die riesigen Fenster aus so geringer Höhe waren einfach atemberaubend“, erinnert sich der 49-Jährige.
Er war so fasziniert, dass er sich 2000 nach den Filmaufnahmen dem Mönchengladbacher Verein der Freunde historischer Luftfahrzeuge anschloss. Seit 2004 ist der gebürtige Duisburger Vereinsvorsitzender. An den 60 Vereinsmitgliedern gefällt ihm vor allem das uneigennützige Engagement, das Huckenbeck aus seiner Berufsbranche so nicht kennt. Als Produktionsleiter von Action-Filmen wie „Cobra 11“ nervt ihn die Ellbogenmentalität vieler Kollegen. „Alle fragen: ,Was kriege ich dafür?’“ Unter den 25 aktiven Mitgliedern seines Vereins ist das anders. „Hier hat mir noch keiner diese Frage gestellt“, sagt er, „denn Tante JU ist eine Herzensangelegenheit“.
„Tante JU“, so nennt man das vom Rheydter Wissenschaftler Hugo Junkers 1932 konstruierte Flugzeug seit dem Zweiten Weltkrieg. Den liebevollen Kosenamen bekam es, weil es im Krieg als Lazarettflugzeug eingesetzt wurde. Viele Angehörige verletzter Soldaten verbinden daher heute noch viele schöne Erinnerungen mit der JU.
Von den ehemals 6000 JU 52 gibt es heute nur noch acht betriebsfähige Flugzeuge auf der Welt. Zwei davon fliegen in Deutschland. Eine Maschine ist im Besitz der Lufthansa-Stiftung und eine gehört dem Mönchengladbacher Verein seit 1992. Damals stand die JU 52 des Modells CASA 352 noch als Ausstellungsstück am Düsseldorfer Flughafen.
Am Niederrhein sorgte man dafür, dass die Maschine von der JU-Air in der Schweiz wieder flottgemacht wird. Zunächst flog man in Düsseldorf, doch aus Platzgründen wich man 1997 nach Mönchengladbach aus. Ähnlich verfuhr man mit der Maschine der Kennung „D-Aqui“ von der Lufthansa-Stiftung, die im vergangenem Jahr ebenfalls auf den Düsseldorfer Tochterflughafen auswich.
Die „D-Aqui“ startet in Mönchengladbach am 31. Juli und 1. August und am 11. und 12. September zu Rundflügen. Das historische Vereinsflugzeug CASA 52 mit Schweizer Zulassung hingegen wird an sechs Wochenenden zu 40-minütigen Rundflügen am Niederrhein abheben. Die ersten Flüge zum Preis von 214 Euro pro Fluggast finden am kommenden Sonntag statt. Den 16 Passagieren werden verschiedene Routen angeboten. Eine erstreckt sich von Gladbach nach Langenfeld bis zum Kölner Dom und führt über den Braunkohletagebau zurück, die andere führt über Duisburg, Mülheim und Düsseldorf. Huckenbeck empfiehlt aber die Route, die am 31. Juli und 1. August über die Classic Days in Schloss Dyck fliegen wird.
Auf die Oldtimer, die dort zur Schau gestellt werden, trifft dasselbe Motto zu wie auf seine Tante JU. Denn Huckenbecks Leitspruch, den er sich dem Flugzeugkonstrukteur Claudius Dornier entliehen hat, lautet: „Nicht das Geldkapital bestimmt den Inhalt und Wert eines Unternehmens, sondern der Geist, der in ihm herrscht. Geist ohne Tradition ist undenkbar.“
Tante Ju fliegt am 2. Mai, 6. Juni, 31. Juli, 1. August, 29. August und einem noch nicht bekannten Wochenende im Oktober. Reservierungen beim Rundflug-Service unter: 070052525200.
Weitere Informationen zum Mönchengladbacher Verein der Freunde historischer Luftfahrzeuge: www.vfl-ev.de.
Zurzeit gibt es im Butzweiler Hof in Köln eine Ausstellung zum Lebenswerk von Hugo Junkers. Die Termine: 1./2. Mai und 8./9. Mai.
Der Mönchengladbacher Verein der Freunde historischer Luftfahrzeuge arbeitet momentan daran, die Junkers F 13, das erste Ganzmetallverkehrsflugzeug der Welt aus Wellblech, wieder aufzubauen. Bis zur Fertigstellung kann es aber noch einige Jahre dauern.
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