Mönchengladbach: Tatort Burgmühle
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 27.10.2006Mönchengladbach (RPO). Gestern stellten wir Plätze vor, um die viele Menschen einen Bogen machen. Dort treffen sich Jugendliche. Sie jagen den Bürgern Angst ein. Die Polizei kennt ihre Pappenheimer – und Rezepte gegen Gewalt und Eskalation.
Ulrich Lehmann bringt es auf den Punkt, und die Zahlen belegen seine Worte: „Odenkirchen ist der absolute Brennpunkt in der Stadt. Das, was rund um die Burgmühle passiert, ist nicht akzeptabel. Odenkirchen hat für uns höchste Priorität.“ Die Polizeistatistik von Januar bis heute: 25 Körperverletzungen, 15 Einbrüche, zahllose Sachbeschädigungen. Ulrich Lehmann weiß, wovon er spricht. Er leitet das Kriminalkommissariat 12, das sich vornehmlich mit Jugendkriminalität befasst. „Die Entwicklung in Odenkirchen ist Besorgnis erregend“, fügt er hinzu.
Persönliches Sicherheitsgefühl
Das Projekt JIT
JIT Vor drei Jahren wurde in Gladbach das Projekt „JIT“ (Jugendliche Intensiv-Täter) gegründet.
Staatsanwaltschaft und städtisches Jugendamt nehmen sich seitdem jugendliche Kriminelle gemeinsam und sehr intensiv „vor die Brust“.
Dagegen seien die gezählten Delikte in den anderen Stadtteilen fast zu vernachlässigen. Beispielsweise Rheindahlen. Da gab es im gleichen Zeitraum genau zehn Straftaten: sechs Fahrraddiebstähle, eine Körperverletzung, zwei Sachbeschädigungen. „Dennoch fühlen sich die Menschen bedroht, wenn sie die Ansammlung von Jugendlichen an der Hilderather Straße sehen“, sagt Peter Ingenerf. Der Leitende Polizeidirektor weiß: „Dabei geht es um das persönliche Sicherheitsgefühl der Menschen.“ Und Polizeihauptkommissar Willi Leopold, der als Bezirksbeamter in Odenkirchen seinen Dienst tut, schildert das Dilemma: „Das ist ein Drahtseilakt zwischen überzogener Angst und dem Gefühl der realen Gefahr.“ Die Polizisten nehmen die Ängste der Bürger ernst. Aber sie sagen auch: „Wir kennen unsere Pappenheimer.“ Jugendliche Intensivtäter sind in den Akten vermerkt: Fotos, persönliche Daten, Zahl und Art der Delikte. Ulrich Lehmann zeigt die „Akte Rheindahlen“: genau sieben Fotos auf dem Deckblatt. „An denen sind wir ganz nah dran“, sagt er. Und er verrät das Prinzip: „Es ist absolut notwendig, sofort zu reagieren. Wir suchen die jugendlichen Straftäter zu Hause auf, beziehen die Eltern mit ein und arbeiten eng mit dem Jugendamt zusammen.“ Alle Anzeigen werden im KK 12 gesammelt und ausgewertet. „Wir sehen ganz schnell, wo sich Problemzonen entwickeln“, sagt Polizeisprecher Peter Spiertz.
Die Ordnungshüter haben festgestellt: Die Erwartungen an die Polizei sind größer geworden.“ Dabei fühlen wir uns selbst häufig als Reparaturbetrieb für das Versagen all derer, die vorher gescheitert sind“, sagt Spiertz. So muss es Willi Leopold oft genug ergehen. Er ist täglich im Brennpunkt Odenkirchen, und er kennt auch die Gründe, warum gerade um die Burgmühle die Gewalt eskaliert: „In dem Hochhaus leben 550 Menschen auf engstem Raum. Da reichen acht bis zehn Rädelsführer, um die Szene aufzumischen.“
Seit zwei Jahren wird die Immobilie per Video überwacht. Seitdem haben die Sachbeschädigungen und Überfälle abgenommen. „Das ist ein Anfang“, sagt Leopold.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






