Mönchengladbach: Tausende feierten mit Hephata
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 08.06.2009Mönchengladbach (RPO). Und wieder spuckt der blöde Teufel, ruft die kleine Greta. Als die Zehnjährige aber merkt, dass aus dem Mund der Teufelsmaske Bonbons fallen, stürzt sie mit ihrer Freundin Leonie vor die Bühne. Der Künstler Enrico, der unter der Maske steckt, lacht diabolisch. Sein bizarres Werk, sein Auftritt beim Stadtfest in Rheydt ist offenbar gelungen. Und er hatte eine Menge Freude daran, anderen ein bisschen Freude zu schenken. Ein bisschen Karneval, ein bisschen Theater, viel Live-Musik – die Stiftung Hephata feierte am Samstag ihr 150-jähriges Bestehen in der Rheydter Innenstadt mit einem Straßentheaterfestival. Hochkarätige Künstler unterhielten Kinder, Erwachsene, Mitarbeiter und Bewohner Hephatas.
Mehrere tausend Besucher kamen zu dem Fest, das durch den Regen allerdings erheblich beeinträchtigt wurde. Einige Auftritte fielen deshalb aus oder mussten in Einkaufspassagen verlegt werden. Viele Besucher waren von weit her angereist. "Man merkt, wie viel Liebe dahinter steckt", sagt Corinna Peschke, die Mutter der kleinen Greta. "Hephata ist in der Stadt fest verwurzelt." Auch wenn die Einrichtung mittlerweile Wohngruppen in halb NRW hat. Und alle stellten sich vor. Hephata gehört zu den wichtigsten Einrichtungen dieser Art in Deutschland. Die älteste ist sie sowieso.
Daher begrüßte Pfarrer Christian Dopheide, theologischer Vorstand der Stiftung, zum Festakt in der Hauptkirche viele hohe Gäste. In Texten aus der eigenen, manchmal dunklen Vergangenheit, umschmeichelt von neu komponierter und arrangierter Musik und einer Lichtshow, zeigte die Stiftung ihre Geschichte auf. Oberbürgermeister Norbert Bude, Schirmherr des Festes, würdigte Hephata nicht nur als wichtigen Arbeitgeber in der Stadt, dessen Einfluss wichtig auf das gesellschaftliche Zusammenleben in Mönchengladbach sei. "Noch heute ist Hephata innovativ und nimmt eine Vorreiterrolle ein, wenn es um Teilhabe von Menschen mit Behinderung geht", sagte Bude. NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann überbrachte Grüße von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. "Ich bin von Hephata begeistert, weil sie eine der großen Einrichtungen ist, die einmal gebaute Strukturen verlassen kann", gab Laumann zu. "Weg von einer Fürsorge-Einrichtung, hin zu einer Begleitung von Menschen mit Behinderung, dass sie mitten in unserer Gesellschaft leben, in der Arbeitswelt und in der Freizeit. Behinderte sind nicht in einer Sonderwelt."
Inklusion heißt diese Philosophie Hephatas, die die Festbesucher am Samstag vor der Bühne am Markt hautnah erlebten. Als die Stimmungsband Hätzblatt ihren Hit "Nordisch Walking" anstimmte, tanzten Menschen mit und ohne Behinderung Arm in Arm. Der Regen war ihnen egal.
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