Mönchengladbach: Terror mit Sprühdosen
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 17.03.2008Mönchengladbach (RPO). Graffiti haben in Gladbach in den ersten Monaten des Jahres massiv zugenommen. Viele Fälle werden nicht aufgeklärt, Hausbesitzer bleiben auf den Schäden sitzen – und sind ratlos.
Karl-Georg Sehl ist es leid. Zu oft hat er schon Graffiti wegmachen lassen an dem Haus in Odenkirchen, das er vermietet. An die 1000 Euro hat ihn das gekostet. Und es hilft nicht viel: Unter der frisch aufgetragenen weißen Farbe schimmern die Werke der Sprüher schnell wieder durch. Die neuesten Graffiti, die Unbekannte Ende vergangenen Jahres schmierten, lässt er jetzt erstmal stehen. „Wenn ich die wegmache, dann dauert es nur ein paar Tage und Neue sind da. Das ist wie Tafelausputzen in der Schule“, klagt der Hausbesitzer. „Einige wenige terrorisieren ganze Häuserviertel, indem sie ohne Sinn und Verstand sprühen.“
Zentren sind besonders bestroffen
Das rät die Polizei
Pflanzen Möglichst wenig glatte Flächen, lieber Anpflanzen von Sträuchern oder Rankpflanzen an Hauswänden.
Schutzsysteme Die Maler- und Lackierer-Innung berät über Materialien, die wirksam vor Eindringen der Farbe schützen und sie leichter entfernen lassen.
Wegmachen Graffiti sofort wegmachen lassen, Rechnungen aufbewahren. Bis zu 30 Jahre nach der Tat kann das Geld vom ermittelteten Täter zurückgefordert werden.
Graffiti werden in Mönchengladbach mehr und mehr zum Problem. 2007 wurden 432 Fälle angezeigt. In den ersten beiden Monaten diesen Jahres waren es schon knapp 100. Die Dunkelziffer, vermutet die Polizei, liegt vermutlich noch höher, weil nicht alle Hausbesitzer den Schaden melden.
Bei den Sachbeschädigungen stehen Graffiti ganz oben auf der Liste. Jährlich verursachen Sprüher in Deutschland einen Schaden von 200 Millionen Euro im Jahr. Stark betroffen sind die Zentren in Rheydt und Gladbach. Ganz besonders dreiste Sprayer hatten es im November vergangenen Jahres sogar auf die Eingangstür des Amtsgerichtes in Rheydt abgesehen.
Je dreister, je gefährlicher die Sprühaktion, desto größer ist der Kick bei den Sprayern, meint Kriminalhauptkommissar Thomas Nehrenheim (47), der sich viel mit Graffiti und Sprayern in Gladbach beschäftigt. „Das Ansehen in der Szene ist umso höher, wenn es eine besonders riskante Aktion war“, sagt Nehrenheim. „Ich habe für legales Sprayen durchaus Verständnis, da gibt es richtig gute Künstler. Aber wenn jemand das Eigentum eines Anderen beschädigt, dann ist das keine Kunst mehr. Das sind Schmierereien.“
Karl-Georg Sehl stellte insgesamt vier Anzeigen gegen Unbekannt. Und vier Mal bekam er nach ein paar Wochen einen Brief von der Staatsanwaltschaft, das Verfahren sei eingestellt worden. Er suchte nach anderen Lösungen: Eine Video-Kamera und einen Bewegungsmelder wollte er installieren. Da die Hauswand jedoch direkt am Gehweg liegt, darf er den Bereich nicht elektronisch überwachen. „Mit fällt nichts mehr ein. Sind wir denn machtlos in Deutschland?“, fragt Sehl.
Nur etwa jede fünfte Tat wird aufgeklärt. Dennoch, rät Nehrenheim, Fotos von den Graffiti zu machen und die Sache anzuzeigen. „Manchmal können wir Monate später, wenn ein Täter gefasst wurde, die Tags und Signaturen den Tätern zuordnen“, sagt Nehrenheim. So erst in der vergangenen Woche, als zwei Sprayern, die nachts an der Stepgesstraße erwischt wurden, insgesamt 25 Taten aus der Kartei zugeordnet werden konnten.
Denn ein Gutes haben die Schmierereien: Die Sprayer wollen in der Szene anerkannt werden und sprühen deshalb immer wieder ihr Erkennungssymbol, das so genannte Tag. „Und das“, sagt Nehrenheim, „ist so gut wie eine Unterschrift.“
Info bei der Polizei unter % 02161 292825 oder 292826.
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