Mönchengladbach: Teurer Büro-Zoff im Park
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 23.01.2010Mönchengladbach (RPO). Weil sich zwei Mitarbeiter der Stadtverwaltung in ihrem Büro am Bunten Garten über Jahre gestritten haben, hat die Stadt für eine der beiden einen teuren Bürocontainer gekauft. Erst jetzt kommt man darüber ins Grübeln.
Genau 53 100 Euro ist es der Stadt Wert, dass sich zwei ihrer Mitarbeiter nicht länger in den Haaren liegen. Für Erich Oberem, Fraktionsvorsitzender der FWG, der den Fall aufdeckte, ist das "ein Skandal erster Güte". Und auch bei der Stadt fühlt man sich inzwischen unwohl mit der bereits gefällten Entscheidung. "Wir rollen die Sache noch einmal auf und überlegen zu einer anderen, verträglichen Lösung zu kommen", sagte gestern der zuständige Dezernent Peter Holzenleuchter auf RP-Anfrage.
Pflege des Bunten Gartens
Und so kam es zu der kuriosen Bestellung: Jahrelang gab's nach Auskunft von Insidern Zoff zwischen zwei Mitarbeitern, die für die Pflege des Bunten Gartens sorgen. Zwar sind sie oft in dem großen Park unterwegs, doch für ihre administrative Tätigkeiten mussten sie auch immer wieder in ihr gemeinsames Büro. Um den Dauerzwist zu lösen, zog eine Mitarbeiterin unters Dach des städtischen Gebäudes an der Bettrather Straße ziehen. Doch die Berufsgenossenschaft Gartenbau legte nach einer Weile ihr Veto ein. Die Unterbringung sei nicht angemessen, zudem die Brandschutzbestimmungen nicht eingehalten.
Bunter Garten
Größe Der Park ist fast 30 Hektar groß
Bereiche Er ist unterteilt in Kaiserpark, Bunter Garten und Bunter Park
Mitarbeiter Zwölf städtische Mitarbeiter pflegen den Park.
Behelfsmäßig wurde die Mitarbeiterin in einem Büro auf dem Friedhofsgelände an der Viersener Straße untergebracht. Dort konnte sie aber nach Überzeugung ihrer Vorgesetzen nicht bleiben. Der etwa ein Kilometer lange Weg zum Bunten Garten sei zu weit. Darum bestellte die Verwaltung den Container, wärmegedämmt, um Energiekosten zu sparen – und damit besonders teuer in der Anschaffung.
Zwar hatte Kämmerer Bernd Kuckels Bauchschmerzen, recherchierte den Fall. Er fragte sich, ob es noch lohnt für teures Geld einen Container aufzustellen, wo seit langem überlegt wird, das gesamte Grünflächenamt neu zu organisieren. Doch die Fachleute gaben Entwarnung. Egal wie eine neue Struktur aussehe, die Mitarbeiterin müsse auf jeden Fall unmittelbar am Bunten Garten arbeiten. "Zudem war das Geld im Haushalt vorgesehen und klar, dass die Mitarbeiterin nicht in dem Büro unterm Dach bleiben konnte", so Kuckels zur RP.
Erich Oberem ist fassungslos, dass die Stadt "so leichtfertig mit dem Geld der Bürger umgeht". Tatsächlich habe der Container im Haushalt gestanden. "Doch aufgrund der neuen Darstellung sind da Einzelposten nicht mehr zu finden", so Oberem. Und außerdem sage der gesunde Menschenverstand, dass diese Entscheidung unsinnig sei. "Ich würde der Frau ein Fahrrad schenken oder ein Dienstauto geben – dann kann sie die ungeheuerliche Entfernung vom Friedhof zum Bunten Garten überbrücken", so Oberem. Man könne der Mitarbeiterin sogar noch eher ein Büro unmittelbar am Bunten Garten mieten. Oberem: "Das wäre für viele Jahre immer noch deutlich billiger als dieser Container."
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