Mönchengladbach: Theater: Millionen-Loch bleibt
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 04.02.2009Mönchengladbach (RPO). Es gibt zwar erhebliches Einsparpotenzial beim Theater. Trotzdem muss die Stadt dauerhaft noch mehr Millionen zuschießen, wenn sie das Theater in seiner jetzigen Form erhalten will. Dazu raten die Gutachter von Actori.
Das mit Spannung erwartete Gutachten der renommierten Unternehmensberatung Actori bringt der Politik drei wesentliche Erkenntnisse. Erstens: Tatsächlich lässt sich das Theater effizienter betreiben und dadurch lassen sich rund 1,1 Millionen Euro pro Jahr einsparen. Zweitens: Diese Einsparungen reichen bei weitem nicht, um die weiter steigenden Kosten zu kompensieren. Deswegen folgt drittens: Die Politik hat die Wahl, entweder statt bisher 12,1 Millionen Euro mittelfristig rund 14,2 Millionen Euro zu zahlen. Oder man streicht 60 Stellen, verzichtet auf das Ballett und spielt 76 Vorstellungen weniger.
Die Gutachter von Actori gaben gestern eine klare Empfehlung. "Die harten Einschnitte bergen die Gefahr einer Abwärtsspirale", sagte Dr. Patrick Roy, verantwortlich für das Gutachten. Ein gestutztes Theater sei noch unwirtschaftlicher als das jetzige, weil die Kosten pro Vorstellung stiegen. "Vor dieser Lösung warnen wir", sagte Patrick Roy gestern bei der Präsentation in Krefeld.
So geht es weiter
Heute entscheidet der Mönchengladbacher Rat über den Etat für die Spielzeit 2009/2010 Morgen tagt der Krefelder Rat zum selben Thema Am 16. Februar gibt es einen Workshop zum Gutachten für die Politik
Vor dem Sommer muss über die Zukunft entschieden werden Im Herbst 2009 zieht das Theater vorläufig in die Bundeswehrhalle
Die Hebel, die die Unternehmensberater empfehlen, sind kleiner. Der Eintritt sei zu billig, vor allem die Preise für die Abonnements müssten auf das Niveau vergleichbarer Häuser erhöht werden. Mit zusätzlichem Marketing ließen sich neue Zuschauer und Sponsoren gewinnen. Im Orchester könnten vier Stellen, im Chor zwei Stellen eingespart werden. Die einzelnen Stücke könnten öfter gespielt werden, so dass bei gleichem Personal 16 zusätzliche Vorstellungen pro Spielzeit möglich wären. All das bringt knapp 700.000 Euro, erfordert allerdings eine einmalige Investition von etwa 325.000 Euro.
Dazu lassen sich noch einmal rund 400.000 Euro pro Jahr einsparen, wenn nicht länger die Städte dafür verantwortlich sind, dem Theater spielfertige Häuser zu übergeben, sondern dies in die Verantwortung des Theaters gelegt würde. Das würde nicht nur für Synergien sorgen und Geld sparen, sondern auch die benötigte Leistung steigern, sagen die Gutachter.
Sie mahnen zur Eile. Alle notwendigen Entscheidungen müssten rasch getroffen werden. Ohnehin greifen die Einsparungen nicht sofort. Erst nach etwa fünf Jahren würden sich die Maßnahmen in dem bezifferten Umfang auswirken. Dem Theater attestierte Actori für die vergangenen Jahre stabiles Wirtschaften. Die Steigerung der Ausgaben liege unter der Inflationsrate. "Das ist für den Kultubereich ungewöhnlich", so Roy.
Das Theater informierte gestern die Belegschaft über das Gutachten. Auch im Theaterkuratorium wurde die Untersuchung vorgestellt. Bevor sich die Parteien äußern, wollen sie das Gutachten in Ruhe auswerten. Dazu soll auch ein gemeinsamer Workshop mit Actori am 16. Februar dienen.
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