Mönchengladbach: Toast Hawaii für die Prinzessin
VON GARNET MANECKE - zuletzt aktualisiert: 09.02.2010Mönchengladbach (RPO). Sie lassen es langsam angehen, die Nostalgiker unter den Karnevalisten. Während das Amuse Geuele, ein kleiner kulinarischer Gruß aus der Küche, im Prinzensaal des Palace St. George schon auf den festlich eingedeckten Tischen steht, begrüßen Hausherr Wolfgang Eickes und MKV-Chef Bernd Gothe die ankommenden Gäste. Auf der Empore sortieren die Musiker noch ihre Noten, im Saal stoßen Ursula Konrad, Stefan Wimmers und Norbert Post mit den anderen Gästen auf einen schönen Abend an.
Mit dem Einmarsch des Prinzenpaares Holger I. und Niersia Kirsten, "Die Einmalige", wie Bernd Gothe die Regentin charmant tituliert, beginnt die zweite Nostalgie-Sitzung. Auch die Musiker sind soweit und beginnen mit karnevalistischen Klassikern wie "Kornblumenblau", bei denen nicht nur mitgesungen, sondern vor allem mitgeschunkelt wird. Et Klimpermännchen eröffnet mit seinem Akkordeon und kölschem Humor das Programm. Schnell wird klar: Die Erinnerung an die Karnevalskultur der 40er und 50er Jahre wird nicht nur mit hintergründigen Reden gepflegt, sondern auch mit der Technik aus dieser Zeit.
Die Mikroanlage klingt schrabbelig, was dem Klimpermännchen gleich die Vorlage für einen Witz liefert. Kaum hat der Künstler die Bühne verlassen, zieht auch schon der Duft von Blutwurst mit Löwensenf, geröstetem Baguette mit Mettwurst und Zwiebeln und altdeutschem Kartoffel-Selleriesalat durch den Prinzensaal. Die Service-Brigade serviert, auf den Gesichtern zeichnet sich hier und da ein verzücktes Lächeln ab. Ne Tröötemann steht vor der Tür, um der Gesellschaft aufzuspielen.
Allerdings ist das schwierig, wenn man als Quasselstrippe zur Welt gekommen ist. Die Clownerei kommt gut an. Nicht nur Lothar Erbers, Professor Christoph Müller-Leisse und RP-Karikaturist Nik Ebert amüsierten sich. Die Erinnerung an die 50er Jahre lebt mit einem Toast "Hawaii" wieder auf, einer kulinarischen Kreation mit Ananas und Schinken, eine Hommage an seinen Erfinder Clemens Wilmenrod. Der Schauspieler schrieb Fernsehgeschichte, weil er als erster Fernsehkoch die Hausfrauen der Nation vor der Kamera mit Kochtipps versorgte.
Der Düsseldorfer Sänger Ralph Marquis bringt rheinische Stimmung in den Saal, der chaotische Zauberer FredBolz zeigt, dass auch misslungene Kunststücke ein Erfolg sein können. Nach geschmorten Ochsenbäckchen auf Portweinjus mit "Stampes" à la Hans Dieter Hüsch lässt Jörg Hammerschmidt 60 Jahre deutsche Fernseh- und Politikgeschichte durch den Saal ziehen, wenn aus seinem Mund die Stimmen von Angela Merkel, Inge Meysel und Udo Lindenberg sprechen.
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