Mönchengladbach: Tochter als Geisel: Bewährung für Vater
VON INGRID KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 13.12.2010 - 17:48Im Prozess um Freiheitsberaubung, Geiselnahme, Nötigung und Körperverletzung vor der Ersten Strafkammer zeigte sich das libanesische Ehepaar nach einem Gespräch mit den Verteidigern plötzlich aussagebereit.
Der Hückelhovener (44) und dessen Ehefrau (46), die wochenlang im Gerichtssaal die Anklagevorwürfe bestritten hatten, gaben auf einmal sinngemäß zu: „Ja, wir haben unsere Tochter unter Druck gesetzt“.
Offensichtlich wollten die aus dem Libanon stammenden Eltern unbedingt die Beziehung der 26 Jahre alten Tochter mit einem Tunesier verhindern. Die Staatsanwaltschaft hatte den beiden vorgeworfen, die Tochter eingesperrt, geschlagen und sogar zu einer Abtreibung gezwungen zu haben.
In dem späten Geständnis gingen die Angeklagten nicht auf Einzelheiten ein, gaben aber schließlich pauschal die Vorwürfe zu. Nach den Erklärungen der Anwälte erhielten die Hückelhovener auch bald die strafrechtliche Quittung.
Die 46 Jahre alte Ehefrau, die im Familienkrieg offenbar eher eine Nebenrolle gespielt hatte, kam jetzt mit einer Verfahrenseinstellung davon. Immerhin muss die Angeklagte 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.
Den Ehemann, der die Tochter geschlagen und vier Monate lang in der elterlichen Wohnung eingesperrt haben soll, verurteilten die Mönchengladbacher Richter zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Der 44-Jährige, der in den letzten Jahren ohne Vorstrafen blieb, muss die Haftstrafe nicht verbüßen. Das Gericht setzte sie für die nächsten drei Jahre zur Bewährung aus.
Außerdem muss der Hückelhovener 250 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. In den drei Jahren wird der Libanese von einem Bewährungshelfer begleitet. Mit der Verurteilung endete ein wochenlanger Prozess mit vielen schmutzigen Details, in dem auch die Opfer nichts mehr sagen wollten.
Die Tochter und der nunmehr akzeptierte Schwiegersohn sind inzwischen Eltern eines sieben Monate alten Kindes und leben inzwischen in Plauen in Sachsen. Man habe das Kriegsbeil begraben und freue sich über das Enkelkind, so die Familie neuerdings. Die Mutter des Enkelkindes hatte bereits zu Prozessbeginn die Aussage verweigert. „Ich will nicht, dass meine Eltern bestraft werden“, hatte die 26-Jährige erklärt.
Als sich die Tochter noch von den Eltern unter Druck gesetzt sah, hatte sie zusammen mit dem tunesischen Freund die Polizei um Hilfe gebeten. Danach war das Pärchen in Süddeutschland untergebracht worden. Aber auch dort waren die Eltern überraschend aufgetaucht. Doch damit soll jetzt Schluss sein, die Urteile wurden sofort akzeptiert.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







