Mönchengladbach: Todesfalle im Römerbrunnen
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 12.05.2010Mönchengladbach (RPO). Im leerstehenden Hochhaus Nummer 30 ist kürzlich ein Rentner tödlich verunglückt. Dennoch wurden keine Sicherheitsvorkehrungen getroffen, die das Betreten des Gebäudes zukünftig verhindern.
Im Hochhaus mit der Nummer 30 ist ein Mann gestorben. Der 64-jährige Jan Paul S. wurde in einem Aufzugschacht gefunden. Wie lange er in dem sechs Meter tiefen Loch gelegen hatte, ist nur zu erahnen. Sicher ist, dass der Rentner bereits seit mehr als sechs Wochen vermisst wurde. Warum er in das seit vielen Jahren leerstehende Haus im Römerbrunnen ging und wie er dort zu Tode kam, ist bis heute unklar. Gefunden wurde der Leichnam, weil Passanten eine Katze jämmerlich miauen hörten. Als sie im Keller des Hochhauses nachsahen, fanden sie das Tier neben dem toten Mann.
Seit Jahren sind die Gefahren, die von den beiden leerstehenden Wohntümen (20 und 30) ausgehen, bekannt. Insbesondere Haus 30 ist ohne große Probleme zu betreten. Der wackelige Bauzaun und das Schild "Betreten des Grundstücks verboten" wirken geradezu makaber angesichts der Gefahren, die von dem maroden Gebäude tatsächlich ausgehen. Fast alle Fensterscheiben sind zerbrochen, Türöffnungen klaffen, Rollläden flattern. Mitarbeiter der evangelischen Begegnungsstätte im Römerbrunnen haben immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass die leerstehenden Häuser als Treffpunkt genutzt werden.
Als im Keller des Gebäudes Nummer 30 wieder einmal ein Feuer ausgebrochen war, hatte Feuerwehrchef Jörg Lampe die Überprüfung aller Hochhäuser an der Giesenkirchener Straße gefordert. Mitarbeiter des Bauordnungsamtes machten eine akribische Bestandsaufnahme. Und die Eigentümerin der Wohnanlage – damals noch die Tyscon Group – wurde verpflichtet, die leerstehenden Häuser zu sichern. Daraufhin wurde die Haustür verbrettert, der Bauzaun errichtet, das Verbotsschild aufgehängt.
Schon bald waren Fenster in den Erdgeschosswohnungen eingeschlagen, neue Schlupflöcher entstanden. Und auch der heutige Eigentümer, Grand City Property Management, scheint die Gefahren zu ignorieren. "Sie sehen doch selbst, wie das hier aussieht", sagt eine Anwohnerin. "Die tun wahrscheinlich erst was, wenn da mal ein Kind von oben herunter geflogen ist."
Der Verwalter der Hochhaussiedlung wollte sich gestern trotz mehrmaliger Nachfrage der Rheinischen Post zu dem Problem nicht äußern. Und auch die Stadtverwaltung schaffte es gestern nicht, eine Stellungnahme abzugeben.
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