Mönchengladbach: Top-Absolventin: Hiesige Firmen wollten sie nicht
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 30.06.2008Mönchengladbach (RPO). Als der Dekan seine Rede hielt, da musste sie dann doch schmunzeln. Professor Martin Wenke rühmte die Absolventen der Hochschule Niederrhein, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, mit den Worten: „Sie sind 79 Absolventen, die hoffentlich auch dem regionalen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.“ Das steht Frauke Blank nicht. Nicht mehr. Die Unternehmen in der Region hatten ihre Chance gehabt.
Frauke Blank (26) lebt und arbeitet nun in Norwegen und würde am liebsten nicht mehr weg. Sie ist die beste Absolventin des Jahrgangs, den die Hochschule Niederrhein am Freitagabend mit dem Diplom-Zeugnis in die freie Wirtschaft entließ. Ihre Abschlussarbeit über das Beschaffungscontrolling – eine wesentliche Grundlage für unternehmerischen Erfolg – bei der T-Mobile Deutschland AG wurde ausgezeichnet. Sie bekam den mit 1300 Euro dotierten IHK-Preis der Industrie- und Handelskammer von Vizepräsident Dr. Norbert Bienen überreicht.
Ein deutsches Unternehmen hat jedoch wenig Chancen bei ihr. „Ich bin glücklich mit dieser Entscheidung“, sagt Frauke Blank, die bei Aker Kvaerner Subsea in Tranby in der Nähe von Oslo mit Produktion und Verkauf von Unterwasseroperationsfahrzeugen beschäftigt ist. Sie hatte sich in Deutschland beworben, zigfach. Aber es kamen nur Absagen. Dann entschied sie sich für einen Norwegisch-Sprachkurs, weil Skandinavien schon immer ein Traum von ihr und ihrem Mann gewesen war. Sie bewarb sich und hatte ganz schnell eine Stelle.
Seit einem halben Jahr lebt und arbeitet sie nun im hohen Norden. „Norwegen ist toll für einen frischen Absolventen“, sagt sie. „Der Arbeitsmarkt bietet Chancen, die ich in Deutschland nicht gesehen habe. Das Arbeitsklima ist freundlicher, offener und ehrlicher. Die Hierarchien sind flacher.“ Kein tolles Zeugnis für den regionalen Arbeitsmarkt, mit dem die Hochschule Niederrhein so gut und gerne kooperiert. Die hiesigen Firmen wollten die Hochqualifizierte ja nicht.
Die anderen Absolventen hoffen da noch. 55 von ihnen erhielten ihre Zeugnisse in einer kleinen Feierstunde von Dekan Professor Martin Wenke. Anschließend ging‘s zum Umtrunk, den Frauke Blank aber nicht mehr bis zum Ende miterlebte. Sie musste nach Hause. Sie hat jetzt einen weiten Weg.
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