Mönchengladbach: Toter bei Proklamation
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 12.01.2009Mönchengladbach (RPO). Der erste große Auftritt von Marcus I. und Niersia Ilona war von einem tragischen Unglück überschattet. Kurz vor Beginn der Veranstaltung wurde der Hausmeister der Kaiser-Friedrich-Halle tot aufgefunden. Die Polizei geht von Selbstmord aus.
Der Schock sitzt tief. Bernd Gothe fällt es sehr schwer, die Ereignisse zu schildern, die am Freitagabend die Prinzenproklamation überschatteten. Immer wieder muss der Chef des Mönchengladbacher Karnevalsverbandes schlucken und um Fassung ringen. „Wir haben den Hausmeister eine Stunde vor Beginn der Veranstaltungals leblos hinter der Kaiser-Friedrich-Halle gefunden“, sagt er. „Und dann steht man als Clown auf der Bühne und muss lustig sein.“
Während draußen noch um das Leben des 40-Jährigen gerungen wurde, musste im Saal eine schwere Entscheidung getroffen werden. „Wir haben uns entschieden, die Veranstaltung laufen zu lassen“, sagt Peter Schlipköter. „Das war nicht leicht, aber als Hallenchef nehme ich das voll auf meine Kappe.“ Zehn Jahre lang hatte der Hausmeister in der Halle gearbeitet. „Ich bin zutiefst getroffen“, sagt Peter Schlipköter. „Er war ein äußerst beliebter, zuverlässiger und freundlicher Mensch.“
Hilfe und Notplan
Kriminalpolizei Die detaillierten Ergebnisse der kriminaltechnischen Untersuchungen werden heute vorgelegt.
Hilfe Der Geschäftführer der Marketing-Gesellschaft, Peter Schlipköter, wird psychologische Unterstützung für seine Angestellten zur Verfügung stellen, damit sie das tragische Geschehen verarbeiten können.
Notpläne Die Ereignisse erfordern für die nächsten Karnevals-Veranstaltungen in der Kaiser-Friedrich-Halle einen Notplan.
Noch zur Mittagszeit hatte der 44-jährige Angestellte an der Abschlussbesprechung für die große Veranstaltung teilgenommen. Irgendwann am Nachmittag war er verschwunden. „Wir haben ihn suchen lassen“, sagt Bernd Gothe. Denn der Hausmeister hatte wichtige Funktionen im Bereich der Technik und der Organisation.
Um kurz vor 18 Uhr wurde er gefunden. Da er keinerlei Papiere bei sich hatte, war anfangs nicht klar, ob es sich um ein Gewaltverbrechen, einen Unfall oder Selbstmord handelte. Dann fanden die Polizisten seine Geldbörse, Handy und Schlüsselbund. Sie lagen nebeneinander aufgereiht auf der Ablage eines offenen Fensters im vierten Stock der Kaiser-Friedrich-Halle. „Wir müssen davon ausgehen, dass sich der Mann das Leben genommen hat“, sagt Polizeisprecher Willy Theveßen. Die Untersuchungsergebnisse der Kriminalpolizei werden allerdings erst heute vorgelegt.
Monika Bartsch kam mit Verspätung zur Kaiser-Friedrich-Halle. „Ich sah den Krankenwagen und die Feuerwehr und fragte nach, was denn los sei.“ Als die Ex-Oberbürgermeisterin vom Tod des Hausmeisters erfuhr, war sie fassungslos. „Ich kannte ihn seit vielen Jahren. Er war ein liebenswürdiger Mann, ich mochte ihn sehr gern.“
Sie habe lange Zeit gebraucht, um in den Saal gehen zu können. Als sie ihren Gefühlszustand schildert, kommen Monika Bartsch die Tränen. „Mich verfolgt das, immer wieder gehe mir die gleichen Fragen durch den Kopf: Warum hat er das getan? Warum war er so unglücklich?“ Monika Bartsch ringt um Fassung: „Das werde ich so schnell nicht verarbeiten können.“
Marcus I. und Niersia Ilona wussten während ihrer Proklamation nichts von den dramatischen Vorgängen hinter der Halle und im Keller, wo der Tote untersucht wurde. „Es wurde beschlossen, ihnen nichts davon zu sagen“, sagt Monika Bartsch. „Das war ihr erster großer Auftritt, wie hätten die beiden damit umgehen sollen?“
Und auch die Gäste im Saal ahnten nichts. „Wir haben Stillschweigen vereinbart“, sagt Peter Schlipköter. „Sonst hätten wir die Veranstaltung so nicht durchziehen können.“ Während im ausverkauften Saal geschunkelt und gefeiert wurde, waren Kriminalbeamte in den Katakomben der Halle mit der Klärung des Todesfalls beschäftigt. „Das war alles sehr unwirklich“, sagt Monika Bartsch.
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