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Mönchengladbach: Trauer um Eugen Viehof senior

VON JAN SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 10.02.2010

Mönchengladbach (RPO). Der Gründer der Allkauf-Unternehmensgruppe ist in der vergangenen Woche im Alter von 93 Jahren verstorben. Am Dienstag wurde er im engsten Familienkreis beerdigt. Ein Rückblick auf eine außergewöhnliche Karriere.

Im Juni 1985 bekam Eugen Viehof (r.) für seine unternehmerischen Leistungen das Bundesverdienstkreuz am Bande vom damaligen Düsseldorfer Regierungspräsidenten Hermann Strich verliehen.   Foto: RPO
Im Juni 1985 bekam Eugen Viehof (r.) für seine unternehmerischen Leistungen das Bundesverdienstkreuz am Bande vom damaligen Düsseldorfer Regierungspräsidenten Hermann Strich verliehen. Foto: RPO

Als Eugen Viehof senior 1984 als geschäftsführender Gesellschafter aus seinem Unternehmen ausschied, telegrafierte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl: "Sie haben am wirtschaftlichen Aufschwung unseres Landes entscheidend mitgewirkt."

Ein halbes Jahr später, im Juni 1985, erhielt Viehof das Bundesverdienstkreuz am Bande. Untrügliche Zeichen dafür, dass der Gründer der Allkauf-Unternehmensgruppe, der Ende letzter Woche im Alter von 93 Jahren verstarb, als einer der wichtigsten Industriellen der Nachkriegszeit galt. Gestern wurde Eugen Viehof senior im engsten Familienkreis beerdigt.

Der Aufstieg der Viehof-Dynastie begann 1945, unmittelbar nach Ende des Krieges. Mit 29 Jahren kam Eugen Viehof ins väterliche Geschäft an der Myllendonker Straße in Korschenbroich. Das Anwesen war seit 1842 in Familienhand. 1948 übernahm der gelernte Müller die Firma, die damals aus einer Getreidemühle, einem Mehlgroßhandel und einem Laden für Bäckereibedarf bestand; zusätzlich wurde Landwirtschaft betrieben.

1962 dann gründete Viehof zusammen mit seinem Schwager Gerhard Ackermanns in einer gemieteten Textilhalle an der Reyerhütte Selgro (Selbstbedienungs-Großmarkt) nach dem Vorbild amerikanischer Cash-&-Carry-Märkte. Viehof war dabei dem Zeitgeist gefolgt: Kunden und Umsätze sanken, die Bäcker der Region kauften nicht mehr bei ihm, sondern fuhren nach Bochum in ein Selbstbedienungsgeschäft, das mit Billigangeboten lockte. Um einem Namensstreit mit einer Aachener Elektrofirma (Elgro) zu entgehen, nannte Viehof das Unternehmen in Selgros um.

Schnell erkannte Viehof, dass das Erfolgsrezept der Selbstbedienung aus dem Groß- auch auf den Einzelhandel übertragbar sein musste. Am 1. März 1968 öffnete der erste Allkauf-Discounter ("Alle können alles kaufen") in Heinsberg seine Pforten, ein zweiter Verbrauchermarkt in Düren folgte nur zwei Monate später. Er bot 60 000 Artikel unter einem Dach – ein Quantensprung zu einer Zeit, als Tante-Emma-Läden im Einzelhandel noch den Ton angaben. Auch auf anderen Gebieten stellte Viehof seinen Pioniergeist unter Beweis: In der Saison 1974/75 war Allkauf als eines der ersten Unternehmen als Trikotsponsor in der Fußball-Bundesliga aktiv – für Fortuna Düsseldorf.

Binnen weniger Jahre entstand aus Allkauf ein wahres Handelsimperium. 1984, als der passionierte Golfspieler aus dem operativen Geschäft ausschied, zählten bereits 6450 Mitarbeiter – davon 800 in Gladbach –, 39 SB-Warenhäuser, 52 Foto-Fachgeschäfte, zwölf Möbelhäuser, zwei Cash-&-Carry-Märkte, eine Fruchtzentrale, ein eigenes Ausbauhaus-Programm und mit Tjaereborg ein Reisegeschäft mit Flugangeboten ab Düsseldorf und München zur Unternehmensgruppe.

"Auch finanziell erfreuen Sie uns. Sie gehören zu unseren bedeutendsten Steuerzahlern", neckte der damalige rheinische CDU-Chef Bernhard Worms Viehof bei dessen Verabschiedung. Dieser konterte: "Ich habe gar nicht gewusst, was für ein toller Bursche ich bin." Und rückte stattdessen die Leistung seiner Gattin in den Mittelpunkt: "Wir sind 36 Jahre verheiratet. Ich habe noch keinen Tag erlebt, an dem sie schlechte Laune gehabt hätte."

Zeit seines Unternehmerlebens zeigte Viehof Verantwortung für Unternehmen und Mitarbeiter, unterstützte viele gemeinnützige Zwecke. Insbesondere für seine Verdienste um die Auszubildenden erhielt er das Bundesverdienstkreuz vom damaligen Regierungspräsidenten Hermann Strich.

Viehof, der als Meister der Sparsamkeit und glühender Verfechter der freien Marktwirtschaft galt, übergab die Verantwortung an seine vier Söhne, Klaus, Bernd, Eugen junior und Michael. Diese kauften 1990 für umgerechnet 300 Millionen Euro die Anteile des Mit-Gründers Ackermanns, expandierten nach der Wende besonders nach Ostdeutschland. Vor genau zwölf Jahren schließlich endete das spannende Kapitel deutscher Unternehmensgeschichte: Im Februar 1998 verkauften die Viehofs die Allkauf-Gruppe an die Metro.

Quelle: RP

 
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