Mönchengladbach: Tüftlerzentrum Hochschule
VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 27.02.2007Mönchengladbach (RPO). Die Hochschule Niederrhein liegt bei der Anmeldung von Patenten landesweit an der Spitze aller Fachhochschulen. Die jüngste Erfindung: ein elektrochemischer Apparat, der rote Augen im Schwimmbad überflüssig machen kann.
Manche Erfindungen braucht kein Mensch. Zum Beispiel das sich selbst drehende Eis oder die Hunde-Kraulmaschine für faule Herrchen. Doch die Ideen, die in den Labors der Hochschule Niederrhein entwickelt werden, haben Nutzwert und sind gefragt. Zumindest lässt das die aktuelle Liste des Deutschen Patentamts vermuten. Mit 13 Patentanmeldungen zwischen den Jahren 2000 und 2005 rangiert die Hochschule an der Spitze aller NRW-Fachhochschulen.
Doch was brüten die Forscher in den Laboren eigentlich aus? Ein Beispiel: Das Team um Dr. Klaus Heger, emeritierter Professor des Fachbereichs Maschinenbau und Verfahrenstechnik, entwickelte jüngst einen elektrotechnischen Apparat, der die Abwasserreinigung der Metallindustrie revolutionieren könnte. Bisher tritt bei der Entsorgung von verchromten und vernickelten Metallabfällen das tödliche Gift Zyanid aus (im gesetzlich erlaubten Minimum). „Mit unserem Verfahren können wir das vermeiden“, sagt Heger. Marktreif ist die Apparatur noch nicht, aber: „Erste Firmen haben Interesse angemeldet.“ Und die Erfindung soll noch woanders eingesetzt werden: zur Entkeimung im Schwimmbad. Chlor und rote Augen gehörten dann der Vergangenheit an.
Patentatlas
Herausgeber Das Deutsche Patent- und Markenamt gibt den Patentatlas regelmäßig heraus. Die Ausgabe 2006 befasst sich mit der Erfindertätigkeit der Jahre 2000 bis 2005.
Rangliste Zu den Erfindungsreichsten Regionen gehören Stuttgart, München und als Drittplatzierte Düsseldorf.
Gladbach Aus Mönchengladbach wurden in den fünf Jahren insgesamt 610 Patente angemeldet. Davon 509 aus der Wirtschaft. Der Rest sind Hochschule und Private.
In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Hochschule zur größten Ideenschmiede des Landes gemausert. Nicht nur wegen der angemeldeten Patente. Weitere 197 Anfragen wurden an die Agentur Provendis aus Münster geschickt, die zentral für alle Hochschulen prüft, ob Entwicklungen Aussicht auf ein Patent haben. Längst hat die Hochschule eine „zentrale Anlaufstelle für Erfinder“ installiert, wie Rektor Professor Hermann Ostendorf erklärt. „Die Frage der Patente wird für uns immer wichtiger“, sagt er. Zwar sei das Verfahren bis zur Anmeldung aufwändig und kostspielig, aber „der Imagegewinn ist immens“. Patente bedeuten Kompetenz. Und bei der Anwerbung von Drittmitteln hilft die Zahl der Erfindungen natürlich auch. Im Idealfall bringen die Entwicklungen direkt Geld aus der Wirtschaft. „Wenn die Industrie unsere Entwicklung serienmäßig einsetzt, kassieren wir Lizenzgebühren“, erklärt Heger.
Der Daniel Düsentrieb der Hochschule Niederrhein ist allerdings Professor Jürgen Büddefeld. Der Leiter des INano-Instituts und Inhaber des Lehrstuhls für Elektronische Schaltungen und Netzwerke hat gleich sechs Patente angemeldet, darunter eine Socke mit Temperaturregelung. Und die Mikropumpe, eine Apparatur, die Mischungen auf Nanoliterbasis dosieren kann, soll in einer Firma von einem Mitarbeiter vermarktet werden. Auch der Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik erreicht mit seinen Entwicklungen oft überregionale Bekanntheit. Zuletzt mit der abwaschbaren Computer-Tastatur aus Fäden. Für die Krümelmonster in den Büros ein Segen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






