Mönchengladbach: Überfiel Polizist mehr Banken?
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 31.07.2008Mönchengladbach (RPO). Der 53-jährige Oberkommissar, der wegen des Überfalls auf die Sparkassen-Filiale Hardterbroich festgenommen wurde, hat vielleicht noch weitere Banken ausgeraubt. Der Staatsanwalt bestätigte gestern den Verdacht.
Hat der Polizist, der als mutmaßlicher Bankräuber in Untersuchungshaft sitzt, noch mehr Straftaten begangen? Oberstaatsanwalt Peter Aldenhoff bestätigte gestern auf Anfrage, dass dahingehend ermittelt wird. „Es gibt mehrere ungeklärte Banküberfälle. Besonders die Vorgehensweise bei dem Überfall auf die Sparkasse in Lürrip Anfang 2007 stimmt in Teilen mit der in Hardterbroich überein“, sagte Aldenhoff.
Tattag war der erste Urlaubstag
Der Oberkommissar, der seit 31 Jahren im Dienst der Polizei steht, soll am Montag vor einer Woche maskiert und bewaffnet die Sparkassenfiliale in Hardterbroich ausgeraubt haben. Der Tattag war sein erster Urlaubstag. Seine Beute: mehrere Geldbündel, zusammen ergaben sie eine vierstellige Summe. Nur eine Stunde nach dem Überfall fand die Polizei das Fluchtfahrzeug. Es war ein Fahrrad, das, wie sich später herausstellte, vom Gelände des Polizeipräsidiums gestohlen worden war. Dieses Fahrrad brachte die Fahnder auf die entscheidende Spur. Plötzlich wurde der Polizei klar, dass sie auch in den eigenen Reihen ermitteln musste. Aus der Überwachungskamera wurden Videosequenzen des Überfalls Kollegen vorgeführt. Gleich fünf erkannten den Täter an Gestik, Haltung und Händen.
Waffenfund
Festnahme Der Polizeibeamte wurde am 24. Juli vor seinem Haus gefasst.
Durchsuchung Von 20.30 Uhr bis 1 Uhr nachts wurde seine Wohnung durchsucht. Dabei wurden unter anderem acht Schusswaffen gefunden.
Strafe Dem Täter droht eine Mindestfreiheitsstrafe von fünf Jahren.
Ein ähnliches Prozedere wird sich jetzt möglicherweise wiederholen. Bei der Polizei wird bestätigt, dass die Ermittlungen andauern und nun die „kriminalistische Feinarbeit“ begonnen habe. Näheres wollte man nicht preisgeben.
Der Überfall auf die Sparkasse in Lürrip, bei dem es Parallelen zur Hardterbroicher Tat geben soll, geschah am 10. Januar 2007. Laut Polizeibericht ging der etwa 50-jährige Räuber mit einer Pistole in der Hand auf den Kassenbereich zu und forderte Geld. Damals fand er nur eine leere Kassenbox vor. Als er bemerkte, dass der Alarm aktiviert worden war, drehte er sich auf dem Absatz um und verließ die Filiale ohne Beute. Die anschließende Fahndung blieb damals erfolglos. War der Oberkommissar, der zuletzt im Verkehrsdienst tätig war, der Täter?
Der Familienvater, der den Überfall auf die Sparkasse Hardterbroich weitestgehend zugab, habe sich in eisernes Schweigen gehüllt, sagte Oberstaatsanwalt Aldenhoff. „Deshalb können wir zur Motivation zurzeit noch gar nichts sagen.“ Der Oberkommissar bleibt bis zu seinem Prozess im Gefängnis. Ein Antrag seines Rechtsanwaltes zur Aufhebung der U-Haft gegen Kaution scheiterte.
Der mutmaßliche Bankräuber sitzt seit Donnerstagabend in der Zelle. Der Familienvater war gegen 20.30 Uhr von einem Spezialeinsatzkommando vor seinem Haus in Mönchengladbach festgenommen worden.
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