Mönchengladbach: Unbemerkt in die Insolvenz
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 12.06.2008Mönchengladbach (RPO). Mittelständische Unternehmen und Familienbetriebe brauchen in der Krise fachkundige Beratung. Werden erste Symptome ignoriert oder übersehen, droht Zahlungsunfähigkeit – und damit oft das Ende des Betriebes.
Es sind häufig die gleichen Probleme, die ein Unternehmen in die Insolvenz führen können. Trotzdem kommt das schlimme Ende für viele Betroffene überraschend – vor allem, wenn sich mittelständische Firmen oder Familienbetriebe nicht ausführlich beraten lassen oder die Augen vor der Realität verschließen. „Die meisten kommen, wenn es zu spät ist”, sagt Hubert Schnitzler von der gleichnamigen Rheydter Steuerberatungsgesellschaft.
Seine Partner Andreas Bartkowski und Frank Kirsten gehören bundesweit zu den ersten Fachberatern für Sanierung und Insolvenzverwaltung. „Es ist wichtig, schon bei der Beratung der Unternehmer solche Probleme zu erkennen und gegenzusteuern”, sagt Schnitzler. „Einer Krise gehen immer mehrere Anzeichen voraus. Wenn man merkt, dass man kein Geld mehr hat, ist es zu spät. Dann geht es oft unweigerlich in die Insolvenz”, sagt Kirsten.
Warnsignale beachten
Ob eine Firma auf die Insolvenz zusteuert, hängt nicht unbedingt von der Branche ab, auch wenn die Zeiten für Einzelhandel und Tiefbau zurzeit schwierig seien, so die Steuerberater. Gerade Mittelständler seien oft „zu nah dran am Problem”, sagt Schnitzler. Vor lauter Problemen würde der Unternehmer selbst mögliche Chancen kaum noch erkennen. Der Berater habe mehr Abstand. Die Steuerberater empfehlen Unternehmern generell, einen Plan zu erstellen, auf dem „Ist” und „Soll” für die nächsten fünf Jahre erarbeitet werden. Außerdem sollten sie sich nicht scheuen, bei ausstehenden Forderungen „auch Großkunden auf die Füße zu treten”, so Kirsten.
Die Steuerberater von Schnitzler & Partner nennen die häufigsten Symptome, die eine Unternehmenskrise ankündigen.
Führung der Firma Gerade in Familienbetrieben oder alteingesessenen Unternehmen bestimmt oft ein Geschäftsführer die Geschicke. Alleingänge können schnell zu Fehlentscheidungen führen. „Und meistens traut sich innerhalb der Firma kaum jemand, den Chef nachhaltig zu kritisieren”, sagt Andreas Bartkowski. Auch eine ungeregelte Unternehmens-Nachfolge oder die falsche Rechtsform können zu Krisen führen.
Mangelndes Eigenkapital ist der Klassiker. Ohne Polster im Rücken können ausstehende Rechnungen oder unerwartete Belastungen zur Zerreißprobe werden.
Ein Großkunde Wer seinen Umsatz hauptsächlich mit einem Kunden macht, kann schnell in die Bredouille kommen, wenn dieser in Schwierigkeiten gerät. Das kann die Firmenpleite des Auftraggebers sein, aber auch einfach nur der Verlust an einen günstigeren Konkurrenten, etwa im Ausland.
Produktvielfalt Unternehmer müssen auch bei ihren Produkten in die Zukunft investieren. „Man muss rechtzeitig versuchen, neue Produkte zu finden”, sagt Kirsten. Das kann durch Forschung und Entwicklung stattfinden, bei Mittelständlern durch gute Beobachtung des Marktes. Ein Beispiel sind Textilfirmen: Der Markt für Kleidung ist durch die günstigeren Anbieter aus dem Ausland kaum noch lohnend. Viele haben sich deshalb auf Technische Stoffe spezialisiert.
Zu schnelles Wachstum Plötzlich kommt ein großer Auftrag rein und der ganze Betrieb wird dafür hochgefahren. Für manches Unternehmen könnte der Brocken zu groß sein: „Das ist dann ein bisschen so, als hätte man gerade den Führerschein und würde bei der Formel 1 mitfahren“, sagt Kirsten. Fällt der Auftrag später weg, können laufende Kosten bleiben.
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