Mönchengladbach: Unendliche Geschichten
VON STEPHAN BECKERS - zuletzt aktualisiert: 31.12.2007Mönchengladbach (RPO). Nichts ist für die Ewigkeit? Von wegen! Denn es gibt doch Haus Westland, Flughafen, Nord- und Regiopark. Wir verraten, welche (unendlichen) Geschichten Gladbachs Dauerbrenner in den kommenden Jahren schreiben werden.
2008
Haus Westland Mit neuem Projektentwickler und alten Ideen will Eigentümer Numisma Haus Westland modernisieren. Jetzt muss wieder ein Hotel rein (daran scheiterte der erste Entwurf) – und, wie gewohnt, die Stadtverwaltung als Ankermieter.
Flughafen Alles beim Alten. Die Startbahn ist zu kurz. Die Eigentümer sind zerstritten. Und die Flughafengegner von Airpeace können kaum noch ihre Champagner-Rechnungen bezahlen.
Nordpark Weiterhin viel Platz auf dem für Sport- und Freizeiteinrichtungen vorgesehenen ehemaligen Militär-Areal. Immerhin: Es entsteht ein neues Bürogebäude.
Regiopark Das erste Logistik-Unternehmen, Birkart Systemverkehre, ist da. Aber noch gibt es unzählige Hektar freie Fläche. Es geht das Gerücht, dass sich Ikea in dem Gewerbepark auf Güdderather und Jüchener Gebiet ansiedeln will.
2018
Haus Westland Numisma legt die Pläne auf Eis. Knackpunkt sei das Hotel, teilt das Unternehmen mit. Mit einem neuen Plan wolle man das Projekt dennoch verwirklichen. Voraussetzung: Die immer noch an der Fliethstraße ansässige Stadtverwaltung wird Ankermieter.
Flughafen Der Flughafen-Gesellschaft gelingt ein spektakulärer Ansiedlungserfolg. Die ukrainische Airline Nerabotijet verbindet die Vitusstadt einmal pro Monat mit der mittelsibirischen Metropole Chanty-Mansijsk. Die Flughafengegner bekommen das vor lauter feiern gar nicht mit.
Nordpark Obwohl Borussia immer noch keinen Namenssponsor für das Stadion gefunden hat, wird der Borussia-Park umbenannt: in Wald-Stadion, wegen des mittlerweile stattlichen Baumbestands im Umfeld der Arena. Immerhin: Es entsteht ein neues Bürogebäude.
Regiopark Die Mitarbeiter des immer noch einzigen Logistik-Unternehmens leiden an Einsamkeitsgefühlen. Psychiater bezeichnen diese neue Erkrankung als Regiopark-Syndrom. Es geht das Gerücht, dass sich Ikea in dem Gewerbegebiet ansiedeln will.
2028
Haus Westland Numisma trennt sich von seinem Projektentwickler. Nachfolger wird Norbert Bienen (79), der sich bereits von 2001 bis 2007 um das Vorhaben bemühte. Bienen sieht gute Chancen. Voraussetzung: Die immer noch an der Fliethstraße ansässige Stadtverwaltung wird Ankermieter.
Flughafen Schwerer Rückschlag für den Airport. Die Airline Nerabotijet modernisiert ihre Flotte. Die Tupolew ANT-20 Maxim Gorki aus den 1930er Jahre werden gegen 60 Jahre alte Boing 737 ausgetauscht. Für diese ist die Startbahn aber zu kurz. Deshalb zieht Nerabotijet nach Düsseldorf um. Die mittlerweile im Spirituosengeschäft tätigen Flughafengegner werden daraufhin selbst ihre besten Kunden.
Nordpark Die biologische Fachwelt schaut auf Gladbach und staunt. In einem Tümpel, der sich in der Ruine des Hockey-Parks gebildet hat, findet ein betrunkener britischer Arsenal-Fan die als ausgestorben geltende Rotbauchunke (wissenschaftlicher Name: Bombina bombina). Der Amphibien-Forscher hatte sich auf dem Weg zuBorussias erstem Uefa-Cup-Spiel seit 32 Jahren verlaufen. Außerdem: Es entsteht ein neues Bürogebäude.
Regiopark Ein weiteres Logistik-Unternehmen konnte zwar noch nicht angesiedelt werden. Dafür aber eine psychiatrische Fachklinik, die sich auf die Behandlung des Regiopark-Syndroms spezialisiert hat. Zudem gibt es das Gerücht, dass sich Ikea in dem Gewerbegebiet ansiedeln will.
2038
Haus Westland Die Unesco erklärt Haus Westland zum Weltkulturerbe - in der Kategorie „einzigartige architektonische Grausamkeiten“. Damit sind Projektentwickler Bienens Neubaupläne perdu. Macht aber nichts, weil Eigentümer Numisma inzwischen eh pleite ist. Allerdings hat Bienen (89) schon einen neuen Investor an der Hand. Der will aus dem Gebäude ein Wohn- und Bürohaus für benachteiligte Personen und Institutionen machen. Voraussetzung: Die Stadtverwaltung wird Ankermieter.
Flughafen Eine bahnbrechende Erfindung könnte aus dem Airport doch noch einen pulsierenden Verkehrsknotenpunkt machen. Das von einer Kinder-Fernsehserie aus den 70er Jahren inspirierte Fliwatüt könnte problemlos auf der kurzen Bahn starten und landen. Zudem fliegt es völlig geräuschlos. Allerdings reagiert die Außenhaut des Fluggeräts empfindlich auf Alkohol. Deshalb müsste in einem Radius von zwei Kilometern um den Airport eine Prohibitionszone errichtet werden. Die Flughafengegner sind entsetzt und kündigen massiven Widerstand an. Für eventuelle Siegesfeiern ordern sie schon mal die Jahresproduktion der französischen Champagner-Hersteller.
Nordpark Endlich. Ein Investor will das Areal gemäß dem Leitbild Sport und Freizeit bebauen. Geplant sind eine Konzert- und Veranstaltungshalle, ein 4-D-Kinocenter, ein Freizeitpark, eine Freilichtbühne, ein Tournee-Theater und vieles mehr. Schade nur, dass der Nordpark das einzige Siedlungsgebiet der vom Aussterben bedrohten Rotbauchunke ist. Umweltschützer klagen mit Erfolg gegen die Bebauung. Der ehemalige Gladbacher Baudezernent und „Vater“ des Nordparks, Helmut Hormes (93), reißt sich vor Wut die beiden letzten Haare aus. Einziger Trost: Es entsteht ein neues Bürogebäude.
Regiopark Im Planungsamt herrscht helle Aufregung. Ikea will sich in dem Gewerbegebiet ansiedeln. In Windeseile muss die Stadt die Bebauungspläne ändern. Das gelingt. Und beinahe wäre das schwedische Möbelhaus tatsächlich in den Regiopark gezogen. Doch die um ihren Alkoholkonsum bangenden Flughafengegner gründen einen Ableger und bekämpfen als „Ikeapeace“ die Ansiedlung. Für eventuelle Siegesfeiern ordern sie schon mal die Jahresproduktion der deutschen Sekt-Hersteller.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







