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Mönchengladbach: Unglücksfirma öffnete die Tore

VON PHILIPP COENEN - zuletzt aktualisiert: 08.09.2008

Mönchengladbach (RPO). Drei Wochen nach dem Gasunfall in Güdderath hat die Firma Dyrup alle Anwohner zu einem Tag der offenen Tür eingeladen. Diese waren sehr angetan. Die Ursache der Beinahe-Katatstrophe ist noch immer offen.

„Wahnsinn! Die ist ja riesig“, sagte Anita Behrens, als sie mit ihrer Hand über das kalte Metall der Löschanlage strich. „Ein wenig Gänsehaut bekomme ich aber immer noch“, murmelte sie und erinnerte sich an den 16. August. An diesem Tag war aus dieser Maschine der Lack-Firma Dyrup eine Kohlendioxid-Wolke entwichen und hatte den Stadtteil Güdderath lahmgelegt. Diese Erinnerung wollte die Dyrup nun am Samstag ausmerzen – mit einem Tag der offenen Tür. „Mit diesem sollen die Leute Einblick in unsere Firma bekommen. Und wir wollen uns auch nochmals dafür entschuldigen“, sagte der Geschäftsführer des Unternehmens Jürgen David.

So funktioniert die Löschanlage

Vor allem aber ging es Dyrup darum, Fragen zu beantworten. Wie funktioniert die Löschanlage? Was kann passieren, wenn das Kohlendioxid (CO2) eingeatmet wird? „Wir haben sogar einen Doktor der Arbeitsmedizin eingeladen, der über die gesundheitlichen Folgen in einer Diskussionsrunde aufklärt“, sagte David.

Eine Frage aber brannte den etwa 500 Besuchern gleichermaßen auf den Lippen: Wie konnte das Gas aus den Lagerhallen entweichen? „Das würden auch wir gerne wissen“, sagten Barbara (61) und Ulrich Wimmer (63). Doch auch das Ehepaar biss dabei auf Granit. „Noch wird ermittelt. Ein Ergebnis steht noch aus. Aber sobald etwas bekannt wird, werde ich Sie umgehend darüber informieren“, versprach Davids.

Am 16. August, um sieben Uhr, hatte ein Brand in den Hallen der Firma einen Großeinsatz ausgelöst. In dem Depot, in dem etwa 500 000 Liter Lacke, Farben und Lasuren lagerten, war eine Palette mit Sägespänen aus bislang ungeklärter Ursache in Brand geraten. Dadurch wurde eine mit Kohlendioxid betriebene Löschanlage in Gang gesetzt. Zwar erstickte das ausströmende Gas das Feuer, aber entwich auch ins Freie, so dass 107 Menschen in den umliegenden Häusern in Atemnot gerieten, sogar in Ohnmacht fielen und medizinisch betreut werden mussten.

„Mittlerweile ist aber wieder Ruhe eingekehrt“, berichtete Marianne Immeln (66). Noch tagelang hatten sich die Anwohner mit dem Unglück beschäftigt. Wem ist etwas zugestoßen? Was ist passiert? „Das Leben geht jetzt wieder weiter“, meinte Immeln: „Auch die Firma hat alles Nötige getan, um uns wieder ein gutes Gefühl zu geben.“

„Passieren kann immer etwas“

Noch am Tag des Unglücks machten sich ein Teil der 65 Mitarbeiter auf und klingelte an Haustüren, um sich persönlich für die Katastrophe zu entschuldigen. „Schon das war toll“, findet Marianne Immeln. „Noch großartiger ist aber, dass die Firma uns alle eingeladen hat. Wir hatten ja keinen Schimmer davon, was die überhaupt machen und wie riesig das Unternehmen ist.“ Diese Meinung teilt Karl-Heinz Grams (63): „Passieren kann immer etwas. Fehler sind nun mal menschlich. Manchmal aber auch technisch.“

Quelle: RP

 
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