Mönchengladbach: Unglücksfirma: Wir zeigen alles
VON BARBARA GROFE - zuletzt aktualisiert: 19.08.2008Mönchengladbach (RPO). Zwei Tage nach dem Gasunfall mit 107 Verletzten bemüht sich die Lack-Firma Dyrup um Imagepflege: Ein Tag der extrem offenen Tür soll das Vertrauen der Nachbarn wiederherstellen.
Alles andere als ruhig war der Wochenanfang für Jürgen David, Geschäftsführer von Dyrup: Presseanfragen abarbeiten, mit Ämtern telefonieren, Management-Meetings besuchen, nebenbei das ganz normale Tagesgeschäft weiterführen – „und darüber die Betroffenen dieser Sache nicht vergessen“, sagt David. „Die Betroffenen“, das sind die Anwohner des Gewerbegebiets am Klosterhofweg. „Diese Sache“ ist das Unglück in einem Lack-Lager der Firma Dyrup: Nach einem Feuer war dort am frühen Samstagmorgen unkontrolliert giftiges CO2-Löschgas entwichen. Mehr als 100 Menschen wurden verletzt, mussten wegen Atembeschwerden, Übelkeit oder Schwindelgefühl behandelt werden.
Am Montag danach sucht der Geschäftsführer des Unternehmens nach einem Weg, mit dem Unfall richtig umzugehen: „Entschuldigen kann ich mich für diese Sache kaum – wenn einem einfach so die Luft wegbleibt, hat man wirklich andere Sorgen“, sagt Jürgen David, und ganz fest ist seine Stimme nicht. Versuchen will der Geschäftsführer das mit dem Entschuldigen trotzdem. Ein Tag der offenen Tür soll Ängste abbauen, neues Vertrauen bei den Nachbarn schaffen, ihnen zeigen, was genau passiert in dem Betrieb, der in der unmittelbaren Nachbarschaft liegt. „Wir sperren die Firma bis zum letzten Raum auf und zeigen wirklich alles“, sagt Jürgen David.
Lorenz Helpenstein kennt den Geschäftsführer schon. Der Jugendliche wohnt ein paar hundert Meter den Klosterhofweg hinunter und hat Jürgen David bereits am Samstag kennen gelernt. „Er kam hier vorbei, hat mit mir gesprochen, mir seine Visitenkarte gegeben und und gesagt, wir sollen uns bei gesundheitlichen Problemen sofort bei ihm melden“, sagt Lorenz.
Der Junge war gegen acht Uhr von den Durchsagen der Feuerwehr wachgeworden, hatte von einem Passanten gehört, was in dem Betrieb passiert war. Ein paar Male wagte er sich noch nach draußen auf die Straße, wurde von Feuerwehrmännern aber schnell wieder ins Haus geschickt. Ins oberste Geschoss den Hauses sollte die Familie gehen, Fenster und Türen schließen – so lautete die Ansage der Feuerwehr.
Auch Ruth und Siegfried Siegel haben sich an die Anweisung der Sicherheitsleute gehalten. „Wir haben kein Radio gehört, wussten von nichts“, sagt Ruth Siegel. „Ich musste morgens in den Keller, und als ich wieder hochkam, da war’s mir ganz ringelig.“ Angst hatte das Paar nicht – auch nicht, als sie wussten, was bei Dyrup los war. „Passieren kann doch überall etwas, man muss dann halt die Ruhe bewahren“, sagt Siegfried Siegel
Auch andere Anwohner des Klosterhofweges sind nicht wütend auf Dyrup. „Klar, als wir das Haus verlassen mussten, aber noch nicht wussten, was los ist, war das ein komisches Gefühl im Bauch“, sagt Inge Eßer-Gelsdorf. Mulmig sei ihr gewesen, aber Angst? Eßer-Gelsdorf schüttelt den Kopf. „Angst hatten und haben wir hier nicht“, sagt sie.
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