1968: Unruhen der Studenten auf dem Weg zur Arbeit
VON CHRISTIAN SPOLDERS - zuletzt aktualisiert: 23.07.20091968 (RPO). Wolfgang Rees war 26, als die Studenten-Unruhen auch in Frankfurt wüteten – und er direkt am Fenster seiner Wohnung stand, um zuzusehen. "Damals lebte ich in Frankfurt gleich am Polizeipräsidium", sagt er. Das befand sich in der Nähe des Hauptbahnhofes, wo er als Gärtner in einem Blumenladen angestellt war.
Jeden Tag musste Wolfgang Rees runter aus der Wohnetage mit sieben Zimmern, zwei Bädern und einer Küche und vorbei an den Demonstranten, so sie sich denn versammelt hatten. "An den Wochenenden war besonders viel los", erinnert er sich. "Da flogen Steine auf Polizeiwagen und wurden reihenweise Menschen festgenommen." Angst habe er nicht gehabt. "Ich kannte ja die Hauptstrecke von der Zeil über die Mainzer Landstraße. Die habe ich versucht zu meiden."
Die Unruhen, die es auch bei ähnlichen Bewegungen in den USA sowie in halb Europa gab, wurden in Deutschland vor allem aufgrund der Ermordung des Studenten Benno Ohnesorg im Jahr zuvor sowie dem Attentat auf Studentenführer Rudi Dutschke im April 1968 angeheizt. "Ich habe mich an den Demonstrationen nie beteiligt", sagt Wolfgang Rees. "Mit dem studentischen Leben hatte ich ja nichts zu tun."
Verständnis für die Motive der Hochschulbesucher konnte er dennoch aufbringen. "Was ich aber nicht verstehen konnte, waren die gewaltsamen Auseinandersetzungen und dass die sich vermummt haben." Wenn man schon etwas zu sagen habe, solle man sich nicht hinter einem Tuch verstecken. "Unter diesem Schutz sind auch welche mitgezogen, die wahrscheinlich gar nicht wussten, gegen was sie da demonstrierten." Gegen die in der Bundesrepublik herrschende Regierung nämlich, ebenso wie gegen die Bekleidung von Machtpositionen durch jene, die sich im Zweiten Weltkrieg schuldig gemacht hatten.
Als sich die Demonstrationen in Frankfurt schon wieder gelegt hatten, zog Rees weiter Richtung Rheinland. Bis vor sieben Jahren war er Leiter der Stadtgärtnerei.
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