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Mönchengladbach: Unter Grenzgängern

zuletzt aktualisiert: 19.02.2007

Mönchengladbach (RPO). mal ehrlich In seiner Heimatstadt Mönchengladbach fühlt er sich sauwohl, an den Rennstrecken und Boxringen der Welt ist Kai Ebel aber auch zu Hause. Er erzählt, wie es Michael Schumacher geht, wie er mit Borussia mitfiebert und warum er einen Maserati fährt.

Kai Ebel; 
 Foto: Isabella Raupold
Kai Ebel; Foto: Isabella Raupold

Wie geht es für Michael Schumacher weiter? Wird er damit fertig, nur noch Zuschauer zu sein?

Ebel Noch geht’s. Aber wenn in Australien beim Formel 1-Start die Motoren röhren und er selber nur an der Mauer steht, dann wird er verrückt. Er braucht den Wettkampf und will gewinnen. Er ist nicht der Typ, der nur hilft, der die Theorie macht. Vorstellen kann ich mir das allerdings, falls sein Sohn mal in der Formel 1 fährt. Der ist sechs Jahre, aber schon schnell auf allem, was vier Räder hat.

Mit welchen Formel 1-Piloten können Sie am besten?

Ebel Mit Kimi Räikkönen kam man am besten Wodka trinken. David Coulthard ist sehr nett. Felipe Massa ist ein Schätzchen, ich war mal bei ihm zu Hause in Brasilien auf seiner Ranch.

Ist die Formel 1 ein Zirkus?

Ebel Absolut. Mit Direktor, Clowns und allem.

Was für Menschen sind das?

Ebel Grenzgänger. Sehr spezielle Menschen, die sich von allen anderen Spitzensportlern unterscheiden. Die haben eine besondere Gabe, leben auf sehr hohem Level, konzentrieren sich nur aufs Fahren und bekommen ansonsten alles abgenommen. Der Unterschied zum Fußballer zum Beispiel besteht darin, dass ein Formel 1-Fahrer ein hohes technisches Verständnis braucht. Fahren können die alle, aber in der Spitze kommt noch das technische und taktische Verständnis dazu. Besonders bei Alonso und Michael Schumacher.

Formel 1 – das heißt doch auch Boxenluder, die leicht bekleideten Mädchen im Umfeld der Rennfahrer . . .

Ebel Das ist eher Legende und stammt noch aus der Zeit von James Hunt in den Siebzigern. Heute herrschen viel zu strenge Kontrollen, denn es geht um viel zu viel Geld. Und die Boxenluder sind meistens Hostessen oder im Auftrag eines Teams oder fürs Catering da, um sich fotografieren zu lassen.

Sind Sie selber schon mal eine Runde in einem Formel 1-Wagen gefahren?

Ebel Ich habe mal einen Kurs „Formel 1 für jedermann“ gemacht. Den gibt es wirklich. Das Fahren ist völlig anders, sehr direkt, eher wie im Kart. Beschleunigen, sehr spätes Bremsen, das hat mit normalem Autofahren nichts gemein. Nach so einer Runde kann man erst würdigen, was die Irren in der Formel 1 da anstellen. Als David Coulthard noch bei McLaren war, jetzt fährt er ja für Red Bull, bin ich bei ihm mal in einem Doppelsitzer mitgefahren. Da hat man das Gefühl, dass beim Bremsen die Augen ein Stück nachkommen, obwohl er da wohl nur 80, 85 Prozent fährt.

Welches Auto fahren Sie privat?

Ebel Einen Maserati. Die haben mir ein Angebot gemacht, das ich nicht ablehnen konnte.

Wie viel PS hat der Wagen?

Ebel 400.

Kann man so was ausfahren?

Ebel Ich fahre das nicht aus. Es geht nicht um den Rausch der Geschwindigkeit, ich finde den Wagen einfach wunderschön.

Haben Sie Punkte in Flensburg?

Ebel Im September gehe ich wieder auf Null, da sind die zwei Jahre seit der letzten Sache rum. Im Moment müssten es noch zehn oder elf Punkte sein. Aber alles nur für Kleckerdinge, da mal zehn zu schnell, mal 15 . . .

Welche ist Ihre liebste Formel 1-Strecke?

Ebel Melbourne, wo die Formel 1 nach der Winterpause immer losgeht. Ich fühle mich da sehr wohl.

Die schlimmste?

Ebel Magny-Cours in Frankreich. Es wird Wein angebaut, und man kann dort gut essen. Aber es ist plattes Land, sehr heiß, sehr trostlos.

Lässt sich auf der Formel 1 gut ein Leben aufbauen?

Ebel (grinst) Ich sage immer, wenn es nicht mehr läuft, mache ich Führungen durch den unbewohnten Teil des Schumacher-Anwesens.

Welche Alternativen haben Sie, wenn der Rennsport mal nicht mehr zieht?

Ebel Ich versuche schon, auf mehreren Beinen zu stehen. Zum Beispiel in der Unterhaltung: Promi-Boxen, der große Führerscheintest, kürzlich habe ich einen Rap aufgenommen mit einem Video dazu. Den Sport werde ich aber nie aufgeben – Boxen, Fußball. Und mit der Formel 1 wird auch nie Schluss sein.

Was macht Sie so sicher?

Ebel Tennis haben die Deutschen nie begriffen, das ist für sie nur ein Becker-Sport. Die Deutschen sind ein autoaffines Volk. Autos, die um die Wette fahren, immer 16 Rennen in der Saison, immer dieselben Fahrer: Das verstehen die Deutschen.

Was bringen Ihnen Ihre Werbeverträge?

Ebel Die sind auch ein Standbein. Wenn man ehrlich ist, bringen Sie mehr ein als der Job bei RTL. Ich würde das aber nie allein fürs Geld machen, die Werbung muss schon sympathisch sein und das Produkt stimmen. Winterreifen zum Beispiel. Aber nicht für Pheromone und dann sagen, dass ich damit meine Freundin kennen gelernt habe – die Anfrage gab’s wirklich.

Wo haben Sie sich kennen gelernt?

Ebel In Düsseldorf, in den Schadow-Arkaden. Wir waren bei einem gemeinsamen Freund eingeladen.

Was machen Sie, sagen wir, in 13 Jahren – sind Sie dann Ruheständler?

Ebel Ich habe jetzt keine Glaskugel dabei. Aber den Job in der Boxengasse kann man machen, bis man umfällt. Formel 1 ist wie Olympische Spiele, aber alle 14 Tage. Dabei sein zu dürfen, ist ein unglaubliches Privileg. Das kann man nur mit Vollgas betreiben, obwohl das social life schon zu kurz kommt.

Sie haben Ihre journalistische Laufbahn bei der RP in Mönchengladbach begonnen, bei Otto E. Schütz in der Sportredaktion. Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Termin?

Ebel Das war ein Endurorennen in Schwalmtal. Damals gab’s noch kein Navi, ich hatte Probleme, das überhaupt zu finden.

Wie sind Sie zu RTL gekommen?

Ebel Ich hatte im Sportstudium den Schwerpunkt Publizistik. Dafür brauchte ich ein Praktikum beim Fernsehen. Dann bekam ich einen Tipp, dass RTL nach Deutschland kommt. Den damaligen Sportchef Ulli Potofski habe ich so lange genervt, bis er Ja gesagt hat. Das Privatfernsehen fing damals gerade an, es herrschte Chaos. Bei der Fußball-EM 1988 in Deutschland hieß es: Wer kann noch was machen? Natürlich konnte ich was machen.

Wie ging es mit Boxen und Formel 1 los?

Ebel Als die erste Fußball-Bundesliga zu Sat1 ging, habe ich auf einen Amateur-Boxer hingewiesen, der jetzt Profi würde, Henry Maske, den wollte ich mir näher anschauen. Die haben erst gelacht, wegen des Namens, „Da gibt’s was auf die Maske“. Und irgendwann habe ich mir das erste Formel 1-Rennen angeschaut, in Barcelona. Mir gefiel die Mischung aus Glamour, großem Sport und interessanten Leuten an einem tollen Ort. Daraufhin habe ich gedacht, hier kann ich eine Menge machen.

Das Gespräch führten Ralf Jüngermann, Otto E. Schütz, Ulrich M. Schwenk, Dieter Weber.

Quelle: RP

 
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