Mönchengladbach: Unterwegs als Paraguay-Fan
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 26.06.2008 - 16:30Mönchengladbach (RPO). Die WM hat Lars Mackenbach weltbekannt gemacht. Er gab ein Fernsehinterview, wurde beliebtes Fotomotiv und traf Prominente. Und das alles nur, weil er in eine rot-weiße Fan-Montur schlüpfte.
Nein, Lars Mackenbach hat keine Verbindung zu Paraguay. Er war noch nie in dem Land, spricht nur wenige Wörter Spanisch, und es wohnt auch kein Verwandter dort. Aber wenn Lars Mackenbach in dem kleinen südamerikanischen Fußball-Land etwas zu sagen hätte, dann würde er sich selbst die Goldene Ehrennadel verleihen. Das sagt er auf jeden Fall, wenn auch mit einem verschmitzten Lächeln: „Ich habe Paraguay bei der WM würdig vertreten und sehr viel Reklame für das Land gemacht.“ So viel, dass er jetzt überlegt, selbst einmal hinzufahren.
Begonnen hat alles mit der Bestell-Phase für WM-Karten. Lars Mackenbach, der in Nettetal wohnt und bei der Mönchengladbacher Stadtverwaltung arbeitet, wollte unbedingt dabei sein. Das Glück und viel Geduld führten dazu, dass er Karten für die Spiele mit paraguayanischer Beteiligung bekam. Das heißt: „Ich konnte noch wählen zwischen den afrikanischen Mannschaften, Saudi-Arabien, Ecuador und Paraguay.“ Der 26-Jährige wählte Letzteres. „Ich fand' das irgendwie sympathisch.“
Als ihm die Karten sicher waren, ging Lars Mackenbach, der sich selbst einen Profi-Shopper nennt, auf die Jagd nach einer paraguayanischen Fan-Montur. Shirt und Schal waren nach langer Suche gefunden. Dazu setzte Mackenbach einen England-Hut auf. „Ist keinem aufgefallen. Aber der Hut ist ja auch rot-weiß.“
In voller Montur startete er zum ersten Spiel England gegen Paraguay. In Frankfurt war Lars Mackenbach der einzige Paraguay-Fan vor einem englischen Pub. „Am Anfang hatte ich ja noch Sicherheitsbedenken. Aber alle waren total freundlich. Und weil ich der einzige Paraguay-Fan unter lauter Engländern war, wurde ich von einem brasilianischen Fernseh-Sender interviewt. Später feierte der 26-Jährige dann mit den Paraguayern.
Manchmal war Lars Mackenbach überrascht, wie viel Freude er in seiner Fan-Montur auslöste. Oft hörte er hinter sich jemanden flüstern: „Oh, guck mal, ein Fan aus Paraguay.“ Dann rief Mackenbach: „Viva Paraguay!“ und rollte das „r“. Immer hätten die Menschen gelächelt und sich gefreut. „Es war eine tolle Erfahrung, mal für einen Ausländer gehalten zu werden.“
Überall habe er in seiner Fan-Montur Beachtung gefunden. Er juxte mit Johannes B. Kerner und Jürgen Klopp im Sony Center in Berlin, er durfte Jürgen Trittin im ICE fotografieren, er wurde von etlichen Pressefotografen aus aller Welt fotografiert, und er fachsimpelte mit einer Gruppe von Ordensschwestern am Bahnhof über Fußball. „Ich habe ihnen anvertraut, dass ich Italien nicht so gerne als Weltmeister sähe. Die Nonnen waren anderer Meinung, wohl auch, weil ihr Chef dort wohnt.“
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