Mönchengladbach: Vergessene Gräber
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 01.11.2008Mönchengladbach (RPO). Vor Allerheiligen werden die Gräber besonders liebevoll gepflegt. Aber nicht alle. Gleich nebenan wuchert das Unkraut, und der Grabstein verrottet. Die letzte Ruhestätte wird immer häufiger zur Schmuddelecke.
Maria P.* nimmt die Grabpflege sehr genau. Seit dem Tod ihres Mannes vor drei Jahren kommt sie regelmäßig an sein Grab und schaut nach dem Rechten. Und es gibt immer etwas zu tun. Zu Allerheiligen hat sie die Fläche vor dem Grabstein besonders schön hergerichtet, und das rote Lämpchen flackert. Wenn Maria P. einen Schritt zurücktritt, um ihre Arbeit zu begutachten und stille Zwiesprache mit ihrem verstorbenen Mann zu halten, wird sie regelmäßig in ihrer Einkehr gestört. Das Grab gleich nebenan ist total verwildert, und das schon seit Jahren. Maria P. und auch andere Friedhofsbesucher ärgern sich: „Warum kümmert sich niemand darum?“
Fest aller Heiligen
Allerheiligen Das Fest Allerheiligen ist ein Hochfest der römisch-katholischen Kirche, ein Fest in den lutherischen Kirchen, und wird auch in weiteren protestantischen Kirchen gefeiert.
Heilige An Allerheiligen wird aller Heiligen gedacht, auch solcher, die nicht heilig gesprochen wurden.
Beschwerden nehmen zu
„Solche Beschwerden haben deutlich zugenommen, denn in der Tat sind immer mehr Gräber ungepflegt“, sagt Jürgen Essers, Leiter der städtischen Abteilung Grünflächen und Friedhöfe. Und immer häufiger muss die Verwaltung die Nutzungsberechtigten ausfindig machen. „Das ist sehr zeitaufwändig und oft gar nicht so einfach, weil die Angehörigen oft alle weit weg wohnen“, sagt er. Wenn alle Versuche, die Verantwortlichen ausfindig zu machen, fehlgeschlagen sind, wird die Stadt tätig. „Das Grab wird eingeebnet, und auf der Fläche wird Rasen gesäht.“ Die Kosten trägt der Steuerzahler.
Auf dem katholischen Friedhof in Odenkirchen ist das Problem der verwahrlosten Gräber bestens bekannt. „Es ist in der Tat unser größtes Problem“, sagt Verwalterin Susanne Kehren. „Es gibt Angehörige, die tauchen nach der Beerdigung nie wieder auf. Oft ist es auch so, dass die Hinterbliebenen gar nicht in der Nähe wohnen und deshalb nur sehr selten nach ihren Gräbern schauen.“ Auch sie muss immer öfter nach den Nutzungsberechtigten fahnden. Und wenn sie niemanden findet, wird auch in Odenkirchen das Grab eingeebnet.
Aber Susanne Kehren hat auch andere Beobachtungen gemacht: „Da gibt es Menschen, die pflegen das Nachbargrab mit, wenn siemerken, dass sich niemand darum kümmert.“ Sie sehe allerdings fast nur noch alte Leute auf dem Friedhof, jüngere kämen sehr selten.
Das bestätigt Pfarrer Olaf Nöller von der evangelischen Hauptkirche Rheydt . „Als ich ein Kind war, nahmen meine Großeltern und Eltern mich mit auf den Friedhof “, sagt er. Junge Menschen sehe er immer seltener auf den Friedhöfen. Heute sei klar die Tendenz zum Urnengrab zu erkennen: „Das ist preiswerter, und die Grabpflege entfällt.“
Die katholische Pfarrgemeinde Hehn versucht per Satzung, wild wuchernde Unkrautgräber auszuschließen. Auf dem Gottesacker hinter der Kirche kann so ziemlich jeder seine letzte Ruhe finden – „sofern die Grabpflege übernommen wird.“ *Name geändert
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