Mönchengladbach: Verliebt in einen Heiratsschwindler
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 14.02.2012Mönchengladbach (RP). Vor wenigen Monaten dachte Jutta Fischer noch, sie hätte den Partner fürs Leben gefunden. Doch der neue Mann an ihrer Seite entpuppte sich als Betrüger. Er ließ sich von ihr ein Auto finanzieren, verschwand und bestellt noch heute Waren auf ihre Rechnung.
Am 2. Januar hat Jutta Fischer* (alle Namen geändert) den Mann, den sie heiraten wollte, zum letzten Mal gesehen. An seine Worte kann sie sich noch genau erinnern: "Schatz, leg dich noch mal hin. Du hast ja Urlaub. Ich bringe nachher Brötchen mit." Das war um 6.30 Uhr. Der 48-Jährige sollte nie wiederkehren. Er ging nicht mehr ans Handy, reagierte auf keine SMS. Nichts. Zuerst dachte Jutta Fischer noch an einen Unfall, aber dann kamen die Rechnungen: Dietmar B. hatte bei allen möglichen Versandhäusern Waren auf ihren Namen bestellt. Der Schaden: mehrere Tausend Euro.
Eheversprechen und Hauskauf
Dietmar B. hatte ihr die Ehe versprochen, doch das Einzige, was er der alleinerziehenden Mutter nach seinem Verschwinden zurückließ, waren Schulden. Für ein gemeinsames Auto lieh sich die Angestellte von ihrem Arbeitgeber einen fünfstelligen Eurobetrag und nahm zusätzlich noch einen Kleinkredit von 2500 Euro auf. "Dabei bin ich gar nicht unvorsichtig", sagt Jutta Fischer. Bedenken waren bei ihr jedoch nicht aufgekommen. Unter anderem, weil der Fahrzeugbrief auf ihren Namen ausgeschrieben war. Doch mit ihrem Verlobten verschwanden auch Auto und Fahrzeugbrief, außerdem ihre Telefonkarte, mit der noch fleißig telefoniert wurde.
Im März vergangenen Jahres hatte Jutta Fischer den 48-Jährigen über eine Annonce kennengelernt. Nach zwei gescheiterten Beziehungen war die Mönchengladbacherin vorsichtig geworden. Während sie zunächst noch Zurückhaltung übte, zeigte sich Dietmar B. sehr bemüht. Er brachte Blumen mit, lud Jutta Fischer und ihre Töchter ins Kino ein, und war überaus aufmerksam, sagt die 40-Jährige. "Er verstand sich super mit meinen Töchtern, und auch meine Freunde waren begeistert." Bekannte sagten Jutta Fischer immer wieder: "Schön, dass du endlich den Richtigen gefunden hast." Dietmar B. zog bei Jutta Fischer ein. Und die Beziehung lief harmonisch. "Er ließ mir nach harten Arbeitstagen Badewasser einlaufen, hielt mir den Korb, wenn ich die Wäsche aufhängte, und lud uns regelmäßig zum Essen ein", erzählt die Gladbacherin. Es folgte ein Eheversprechen, dann kaufte Dietmar B. ein Haus, das er mit einer erwarteten Versicherungszahlung finanzieren wollte. "Ich habe sogar Notarverträge gesehen", sagt Jutta Fischer. Dass Dietmar B. in Geldnöten stecken, sogar ein Betrüger sein könnte – daran dachte zu diesem Zeitpunkt niemand. Nach Geld habe der Mann nie gefragt. Juttas Familie hatte er erzählt, dass er für eine große Flughafen-Catering-Firma arbeite, er dort eine Managerfunktion habe. "Er verließ regelmäßig morgens das Haus und erzählte abends oft von seinem Job: von Aufgaben, Arbeitsabläufen und Schwierigkeiten. Ich hatte keine Zweifel, dass irgendetwas nicht stimmen könnte", berichtet Jutta Fischer.
Erst viel später fand sie heraus, dass bei der Firma niemand einen Mann mit dem Namen Dietmar B. kennt. Erst viel später wurde klar, warum der 48-Jährige immer "zufällig" zu Hause war, wenn die jüngere Tochter unvorhergesehen früher aus der Schule kam.
An dem Tag, an dem Jutta Fischer eine Geldzahlung für ihren verkauften Kleinwagen erwartete, war Dietmar B. ebenfalls "zufällig" zu Hause. Allerdings nur kurz. Kaum hatte er 3000 Euro in der Hand, verschwand er für ein paar Tage. Jutta Fischer hatte schon die Polizei angerufen, weil sie an einen Unfall dachte, als Dietmar B. auf ihre vielen SMS endlich reagierte. Er erzählte, dass seine Ex-Frau ihn wegen ihrer Verschwendungssucht in Schwierigkeiten gebracht habe, er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden sei und mit dem Geld aus dem Autoverkauf nun die Geldbußen und die Gerichtskosten bezahlt habe. "Er sagte mir am Telefon: ,Ich bin ein Schwein, ein Versager, du hast etwas Besseres verdient'", erzählt Jutta Fischer. Und dann fügt sie leise an: "Es war zu spät. Ich hatte mich in ihn verliebt, sehr verliebt. Ich sagte ihm, er soll zurückkommen: Wir würden alles gemeinsam schaffen."
Mittlerweile steht Jutta Fischer alleine da mit ihren Problemen. Sie war bei der Polizei, hat Anzeige erstattet. Der finanzielle Verlust ist eine Sache, die seelischen Wunden wiegen fast noch schwerer. Bei der Polizei sagte man Jutta Fischer, dass sie wohl nicht die Einzige ist, die auf den Betrüger hereingefallen ist: Bei der Polizei liegen mehrere Anzeigen gegen ihn vor.
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