Mönchengladbach: Verwirrung um Impfung
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 29.10.2009Mönchengladbach (RPO). Wer kann sich wann und wo gegen die Schweinegrippe impfen lassen? Darüber gibt es von der Stadt widersprüchliche Aussagen. Das verunsichert die Impfwilligen und verärgert die Ärzteschaft.
Die Impfung gegen die Schweinegrippe kommt nur langsam in Gang. Von Tag zu Tag wird aber die Verwirrung über das Prozedere der Impf-Aktion größer. Die Pressestelle der Stadt hatte verkündet, neben den Medizinern im Gesundheitsamt würden auch 34 Allgemeinmediziner und zehn Kinderärzte die Impfungen durchführen. Das stimmt so nicht. Gestern stellte der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), Dr. Arno Theilmeier, klar: "Es gibt eine Reihe von Ärzten, die einspringen würden, wenn das Gesundheitsamt den Ansturm der Patienten nicht schaffen sollte." Davon kann aber im Moment gar keine Rede sein. Die Anmeldungen, die dem städtischen Amt Am Steinberg vorliegen, sind durchaus überschaubar. Bis gestern waren es exakt 370.
Eigentlich sollten im ersten Durchgang ausschließlich Mediziner und Menschen, die in Gesundheitsberufen arbeiten, auf der Liste stehen. "Da sich in Gladbach bisher extrem wenige Menschen zur Impfung angemeldet haben, werden auch Zivilisten direkt angenommen", sagt Theilmeier. In der zweiten Phase sollten dann Polizisten, Feuerwehrleute, Banker, Geschäftsleute, also Menschen, die täglich sehr viel Kundenkontakte haben, an die Reihe kommen. Und danach die "normalen" Patienten. "Das scheint sich aber in Mönchengladbach bunt zu vermischen", sagt Arno Theilmeier.
Theilmeier bedauert die Zurückhaltung der Gladbacher: "Die Aktion ist für die Katz, wenn sich nicht genügend Menschen zur Impfung entschließen." Er befürchtet, dass es zu einem volkswirtschaftlichen Desaster kommt, wenn sich die Neue Grippe im Laufe des Winters tatsächlich flächendeckend ausbreiten würde. Vielleicht seien die widersprüchlichen Informationen Schuld an der Zurückhaltung. "Wenn die Hotline des Gesundheitsamtes ständig besetzt ist oder der Anrufbeantworter läuft, haben die Leute keine Lust, es immer wieder zu versuchen." Möglicherweise würde es helfen, das Anmeldeverfahren zu vereinfachen, meint der Mediziner, "aber leider ist alles, was von oben herab geregelt wird, erfahrungsgemäß kompliziert".
Das Landesgesundheitsministerium ist federführend, von dort aus wird der Impfstoff an die kommunalen Gesundheitsämter geschickt. "Wir haben landesweit Ärzte um Unterstützung gebeten, wenn die Kapazitäten der Gesundheitsämter nicht ausreichen sollten", sagt die Pressesprecherin der KV Nordrhein, Ruth Bahners. 400 Mediziner stehen auf der Unterstützer-Liste. Und in Düsseldorf mussten sie auch schon aktiv werden. "In der Landeshauptstadt wird das Gesundheitsamt von 16 Ärzten vor allem an den Mittwochnachmittagen und samstags unterstützt." Ruth Bahners glaubt, dass die Zahl der Impfwilligen auch in Gladbach erheblich steigen wird.
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