Mönchengladbach: Viele kleine Lichter für eine hellere Welt
VON NADINE FISCHER - zuletzt aktualisiert: 21.12.2009Mönchengladbach (RPO). Irgendwer drehte die Lampen aus. Nur noch die Flammen hunderter Kerzen erhellten den Innenraum der Christuskirche am Kapuzinerplatz. An den Wänden entlang hatten sich die Träger dieser ganz besonderen Leuchten in einem großen Kreis aufgestellt. Sie alle hielten Friedenslichter in den Händen, die sie kurz zuvor nacheinander angezündet hatten. Die Quelle war ein einzelnes Licht, das in einer Laterne aus schwarzem Metall mit Glasfenstern auf einem Holztisch neben dem Altar flackerte. Es hatte bereits eine lange Reise hinter sich.
Seit 1986 macht jedes Jahr ein Kind in der Geburtsgrotte Jesu in Betlehem eine Kerze an und reist damit nach Wien. Vom Stephansdom aus verteilen Pfadfinder das Friedenslicht dann in vielen europäischen Ländern. Nach Mönchengladbach hat es der Pfadfinder und Stadtführer Fred Wurm geholt, er brachte es zur ökumenischen Aussendungsfeier in die evangelische Christuskirche mit. "Das Licht ist ein Symbol für Frieden, Solidarität und Mitgefühl", erzählte Michael vom Dorp aus dem Vorstand der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg im Bezirk Mönchengladbach. Sie gehört zum Ring deutscher Pfadfinderverbände Mönchengladbach, der die Aussendungsfeier nicht zufällig in der evangelischen Christuskirche ausrichtete: "Wir sind hier, weil der Matthias-Claudius-Stamm des evangelischen Verbands christlicher Pfadfinder jetzt 60-Jähriges Bestehen feiert", sagte vom Dorp. Zur Aussendung kämen vor allem Pfadfinder, Vertreter von Pfarren, Krankenhäusern oder anderer Institutionen, erzählte er. "Sie geben das Friedenslicht dann später zum Beispiel in Christmetten, in Schulen und Seniorenheimen weiter."
Auch Hartmut und Heiko Gauls sind solche Lichtboten. Gemeinsam mit fünf Leitern des Pfadfinder-Stammes Rabenhorst Waldhausen und sechs Kindern waren die Brüder in die Christuskirche gekommen. "Wir holen das Friedenslicht schon seit Jahren nach Waldhausen", erzählte Heiko Gauls.
Bis 2007 verteilten die Pfadfinder vom Rabenhorst das leuchtende Symbol des Friedens in einem Gottesdienst an die anderen Waldhausener. "Jetzt haben wir ja keine eigene Kirche mehr und müssen das anders machen: Die Kinder geben das Licht an Familie und Freunde weiter", erzählte Hartmut Gauls. "Das ist ein kleines Licht, das um die Welt getragen wird", sagte er. "Und wenn viele kleine Lichter brennen, macht das die Welt heller."
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