Mönchengladbach: Vom Apotheker zum Winzer
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 16.07.2008Mönchengladbach (RPO). Griechische Spitzenweine gibt’s nicht? Der Mönchengladbacher Apotheker Christos Kokkalis zog in sein Heimatland, um das Gegenteil zu beweisen. Heute ist sein „Roter“ eine gefragte Rarität in der Top-Gastronomie und bei Weinkennern.
Christos Kokkalis
Geboren 2. Mai 1941 in Paleochorion, Griechenland
1975 eröffnete er die Iris-Apotheke an der Sperberstraße
1978 kam die Spitzweg-Apotheke an der Pescher Straße hinzu
1991 kaufte er den Weinberg in der Nähe Olympias
Weine Trigolia und Mova (Cuvée)
Wenn Christos Kokkalis noch einmal anfangen müsste, er würde alles wieder machen. Alles: Auswandern mit 19, in Fabriken arbeiten, Pharmazie studieren, Apotheken in Mönchengladbach eröffnen und Winzer in Griechenland werden. Dabei war im Rückblick gesehen vieles ein „gewagtes Spiel“, wie der 67-Jährige heute selbst sagt.
Zum Beispiel 1960, als Christos Kokkalis nach dem Militärdienst aus seinem Heimatland Griechenland auswanderte. Er konnte kein Wort Deutsch, entschied sich aber trotzdem für das Land „Schillers und Goethes“. „Ich war jung. Ich dachte: Irgendwie geht’s schon“, sagt er. Ging auch. „Sprachkenntnisse, was soll’s? Ich hatte doch Hände und Füße“, erzählt er. Christos Kokkalis jobbte in Fabriken, stellte sein Talent als Fußballer unter Beweis und wollte zunächst Sport studieren. Doch ein Praktikum in einer Apotheke änderte den Berufswunsch des jungen Mannes schlagartig. Christos Kokkalis schrieb sich an der Uni Braunschweig für Pharmazie ein, lernte seine Frau Monika kennen und eröffnete mit ihr zusammen in Mönchengladbach zunächst die Iris-Apotheke an der Sperberstraße und dann die Spitzweg-Apotheke an der Pescher Straße. Ein Vierteljahrhundert löste er Rezepte ein, beriet Kunden und rührte Medikamente an, dann wurde er Winzer und kehrte schließlich zurück in die Heimat.
„Als stolzer Grieche wollte ich beweisen, dass auch bei uns Spitzenweine angebaut werden können“, erzählt Christos Kokkalis. Und so ging er das nächste Wagnis in seinem Leben ein. Kokkalis kaufte sich in seinem Heimatort auf Westpeloponnes in der Nähe Olympias einen Weinberg. Er setzte auf 2,7 Hektar Rebenstöcke und „guckte erst einmal zehn Jahre in die Röhre“, erzählt er. Zweimal rutschte ihm der komplette Hang nebst Trauben ab, beim dritten Versuch klappte es. „Trilogia“ taufte Kokkalis seinen Wein. „Als ich ihn zum ersten Mal probierte, war ich selbst baff. Da steckte Dynamik drin“, erzählt der Winzer, dessen Erzeugnisse heute Spitzenpreise erzielen und in der Top-Gastronomie ausgeschänkt werden. „Ich bin eine Boutique“, sagt Christos Kokkalis mit einem Augenzwinkern in Hinblick auf seinen Ertrag. „Wenn ich das Landwirten erzähle, werden sie blass.“
Aber Christos Kokkalis’ Credo ist eben „klein, aber fein“. Je nach Jahrgang erreicht sein Wein locker einen Preis um die 50 Euro pro Flasche. Trilogia besteht zu 100 Prozent aus unbewässerten Cabernet Sauvignon. „Trauben sind wie Menschen. Wenn man sie zu sehr verwöhnt, verwässert ihr Charakter“, sagt er. Die Metamorphose von der Traube zum Wein fasziniert Christos Kokkalis immer noch. Nach seinem zweiten Wein Mova (benannt nach seiner Frau Monika und seinem Sohn Vassili) könnte noch ein vielleicht dritter folgen. „Dann wäre meine Trilogia komplett“, sagt der Winzer, der 2003 seine Apotheken in Mönchengladbach verkaufte, aber immer noch gerne an die Stadt denkt. „In Griechenland bin ich heute so, wie ich früher in Deutschland war. In Mönchengladbach habe ich immer griechische Zeitungen gekauft. Jetzt lese ich deutsche Zeitungen in Griechenland.“, erzählt er.
Und „natürlich“ verfolgt er noch Spiel-Ergebnisse von Borussia. „Ich liebe den Verein. Früher war ich bei jedem Heimspiel auf dem Bökelberg“, sagt der Hellene aus Gladbach, der sich schon auf die Lese im August vorbereitet. Für den Wein, der in seinem Heimatort noch in Fässern reift, hat Christos Kokkalis schon längst Abnehmer. Die Zeiten, in denen Händler wegschreckten, wenn er mit seinem griechischen Wein kam, sind längst vorbei. „Heute wissen sie, was sie von mir bekommen“, sagt der zufriedene Winzer.









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